Promenadenkonzert in vier Kirchen
Junges Trio landet Volltreffer

Münster -

Das war ja wohl ein echter Volltreffer, das „Promenadenkonzert“ am Sonntag im Rahmen der seit etlichen Jahrzehnten angebotenen „Orgelsommerkonzerte“ in Münsters Innenstadtkirchen. Zwei Stunden Zeit, drei junge, hochbegabte Interpreten, vier verschiedene Kirchen mit kurzweiligen Programmen an fünf Orgeln – ein Projekt, das es so noch nie gegeben hat.

Montag, 07.08.2017, 18:08 Uhr

Drei Jungorganisten auf „Wanderschaft“ (v.l.): Matthias Schulze , Marcel Eliasch und Simon Brüggeshemke
Drei Jungorganisten auf „Wanderschaft“ (v.l.): Matthias Schulze , Marcel Eliasch und Simon Brüggeshemke Foto: Christoph Schulte im Walde

Der Zuspruch war riesig. Rund 150 Zuhörer begaben sich auf diese spannende Pfeifen-Wallfahrt. Von St. Lamberti aus ging es in die Dominikanerkirche, die dritte Etappe war die Erlöserkirche, das Finale führte in das von der Abendsonne erleuchtete Barockjuwel, die Clemenskirche. Und das Publikum folgte treu, zog mit Neugier und Interesse von Station zu Station.

Inspiriert von Lamberti-Organist Tomasz A. Nowak hatten die orgelnden Jung-Stars Simon Brüggeshemke, Marcel Eliasch und Matthias Schulze Musik vorbereitet, die jeweils perfekt zum Charakter der unterschiedlichen Instrumente passte. In Lamberti etwa gab es unter anderem durch und durch opernhafte Sinfonik von Giovanni Morandi. Kuckuck und Nachtigall zwitscherten in der Erlöserkirche in hierzulande kaum einmal gespielten Kabinettstücken von Allessandro Poglietti, darunter eine „Aria bizzarra“, die ihrem Namen alle Ehre machte, mischten sich hier doch ein paar durchaus schräge Vögel ins Geflecht der Stimmen. Auch die originellen Orgelregister, die Patrick Collon in sein Instrument als barocke Spielerei hineingebaut hat: eben Kuckuck und Nachtigall. Die tirilierten eifrig in jenem „Concerto“, das Georg Friedrich Händel den beiden Piepmätzen gewidmet hat. Absolut niedlich!

Etwas strenger ging es zu in der Dominikanerkirche. Hier kreiste die Musik um wohlüberlegte Variationen über eine gleichbleibendes Thema. Sprich: „Passacaglia und Ciacona“. Simon Brüggeshemke und Matthias Schulze hatten da klangschöne Repertoire-Raritäten zu bieten, während Marcel Eliasch sich als Improvisationstalent erwies. Tomasz Nowak lieferte die Handvoll Noten als Vorlage für Eliaschs spontane Einfälle – die am Ende überraschend perfekt den Beatles-Hit „Yesterday“ unterlegten. Ein echter Clou!

Orgel kann aber nicht nur Beatles, sondern swingt auch bei einem „Ragtime“, dem von Charles Callaghan zum Beispiel. Oder macht in „Pizzikato-Polka“ oder „Radetzky-Marsch“. Beide krönten dieses Promenadenkonzert auf äußerst genüssliche Weise. Stürmischer Beifall für das fantastische Organisten-Trio.

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