Münster feiert Absolventen der Staatlichen Artistenschule
Bälle fliegen durch die Autotür auf der Stirn

Münster -

„On the road“ heißt das Programm – das klingt nach Rock’n’Rollern, die auf staubiger Straße ins Nirgendwo unterwegs sind. Nach eiserner Disziplin klingt es nicht. Aber die gab es natürlich en masse, als zwölf junge Absolventen der Staatlichen Artistenschule Berlin einmal mehr in Münster zeigten, was sie gelernt haben. Das volle GOP-Varieté-Theater feierte die junge Truppe rauschend.

Dienstag, 08.08.2017, 19:08 Uhr

Die jungen Artisten zeigten im Bühnenbild, wohin ihre Reise gehen wird.
Die jungen Artisten zeigten im Bühnenbild, wohin ihre Reise gehen wird. Foto: Arndt Zinkant

Natürlich steht am Anfang immer die Frage: Wohin wird die Reise gehen? Und so werden bei jeder Nummer die Straßenschilder an der Bühnen-Laterne gewechselt: Immer haben die Straßennamen mit den Artistinnen und Artisten zu tun – oder heißen einfach wie sie: Wenn etwa Julia Grote am Luftring schwebt, tut sie dies am „Grotemarkt“, Lukas Köster jongliert am „Köster Eck“. Seine Disziplin heißt Bouncing-Jonglage: die schrägen Ebenen seiner Dreiecke lassen die Bälle um die Ecke springen, wodurch faszinierende geometrische Muster entstehen.

Selbstredend in der „Jump Street“ steht das Schleuderbrett, welches das Duo „Dana Schulte-Siepmann & Kyra Reinert“ in die Höhe katapultiert. Was wie die Wippe auf dem Spielplatz aussieht, entfaltet ungeahnte Sprungkraft, die die Artistinnen fast bis zur Decke treibt, Salto um Salto. Man könnte es fast für ein Duell halten – was aber nur aufs Konto der Musik ginge, denn die ist oft dramatisch; die Songs hangeln sich von poetischen Träumen zu aggressiven Beats. Alles sehr passgenau mit den Bewegungsabläufen abgestimmt. Die Choreographien sind wie aus einem Guss, vielmehr: einem Fluss.

In früheren Absolventen-Shows gab es eine Handlung, zum Beispiel mit Szene-Bar und Liebeleien wie in einer Fernseh-Soap. Das quirlige Dutzend des Jahrgangs 2017 verlässt sich komplett auf die Sogwirkung des Beats und die Lichtstimmungen, die alle Szenen locker verbinden. Aber ein paar hübsche Flirts dürfen natürlich sein. Die Paare gefallen dem Publikum am besten.

Wenn Carina Guillermo und Leonid Bethäuser am Lufttrapez hängen, ist es ein zauberischer Mix aus Fallen und Auffangen. Eher schelmisch geht Jongleur Florian Maertz ans Werk. Sich eine Autotür auf die Stirn zu stellen, durch die die Bälle fliegen – da muss man drauf kommen! Turnerin Nicole Ster war Mitglied in der Junioren-Nationalmannschaft; ihre sinnliche Handstand-Equilibristik aber war Verführung pur. Und als am Ende alle gemeinsam tanzten, sah es doch ein bisschen nach Rock’n’Roll aus.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5065219?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Nachrichten-Ticker