Andreas Bunte lädt zur Erforschung des Alltags ein
Labor-Blick aufs Leben

Münster -

Der Alltag ist trist, öde und grau? Alles eine Frage der Perspektive und des Ausschnitts. Andreas Bunte hat an drei Stellen im Stadtraum Plakate mit Nummern und einem QR-Code aufgehängt. Der lädt dazu ein, ihn zu scannen. Wer das macht, kann ein experimentelles Wunder erleben. Findet der Neugierige sich doch in einem kuriosen Labor mit verschiedenen Untersuchungsstationen wieder.

Mittwoch, 09.08.2017, 07:08 Uhr

Via Smartphone lassen sich an den Plakaten über einen QR-Code zwölf kleine Filme über skurrile Labor-Situationen herunterladen, ansehen und mitnehmen.
Via Smartphone lassen sich an den Plakaten über einen QR-Code zwölf kleine Filme über skurrile Labor-Situationen herunterladen, ansehen und mitnehmen. Foto: Gerhard H. Kock

Das Labor hat in einer aufgeklärten Indus­trie­gesell­schaft ein scheinbar makelloses Image: wissenschaftlich und innovativ, Ursuppe der Zukunft und Heilsversprecher für Wohlstand und Gesundheit. Bunte löst das Labor aus dem Zusammenhang von Zweck und Nutzen heraus. Das Labor wird Haltung, Standpunkt, Betrachtungsmuster.

Die zwölf kurzen Videos geben Einblick in einem Raum mit verschiedenen Untersuchungsplätzen. Maßbänder, Apparaturen und Pläne suggerieren die Professionalität des Laborsituation. Film Nummer eins zeigt im Hintergrund die Giant Poolballs von Oldenburg, gleichsam eine Materialprobe davon hängt eingespannt in einem Gerüst und wird mit dem Titel der Arbeit besprüht: „Laboratory Life“.

Das Leben als Labor verändert die Betrachtung von Ereignissen. Das Einsetzen einer Kontaktlinse, das Einschneiden in ein Stück Fleisch, Obst und Gemüse wird in eine halbtransparente Plastiktüte gelegt – der laborale Blick verändert die Beziehung zwischen Objekt und Gegenstand, zwischen Person und Bewegung. Alles wirkt plötzlich dramatisch oder ästhetisch. Das Anziehen von Handschuhen wird eine Tanz-Studie, wenn die mit Lichtpunkten markierten Arme und Gegenstände in der Dunkelheit agieren. Wenn die Hand in rosa Einmal-Handschuhen mit einer Metallspitze über eine Autotür kratzt, kann es unerträglich werden – vor allem für Autoliebhaber.

Das Verhältnis Mensch – Maschine wird untersucht, wenn ein Roboterarm Salat zupft und ihn später mit Löffeln durchmischt oder ein Mensch Haare schneidet, die sich als Perücke herausstellen, oder ein Bizeps in die Muskel-Maschine eingespannt ist und pumpt.

Die zwei- bis dreiminütigen Filme lösen Irritationen aus, zu denen sich der Betrachter verhalten muss – Spott, Neugier, Faszination, alles ist möglich. Oder er wird praktisch. So könnte man seine Smartphone-Kamera nehmen und kleine Bewegungsabläufe aus dem Alltag ausschneiden und filmisch beobachten: die Kamera eine Weile nur auf die Hände eines Busfahrers halten oder den Schaum im Abwaschbecken als sich verändernde Oberfläche beobachten oder die Schuhe einer Gruppe von Wartenden . . .

Zum Thema

Die Westfälischen Nachrichten stellen in den nächsten Wochen in einer Serie die einzelnen Skulptur-Projekte in loser Folge vor.  | Wird fortgesetzt

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