„Benz Bonin Burr“ von Cosima von Bonin und Tom Burr
Ein bedrohlicher Laster

Münster -

Das Auto ist eine Bedrohung für zentrale Elemente der Zivilisation. Sicherheit und Ordnung, kulturelle Werte, Umweltschutz und Klimawandel, selbst die Generationenfrage wird kritisch gestellt. Cosima von Bonin und Tom Burr haben für die Skulptur-Projekte 2017 einen Tieflader mit einer schwarzen Kiste vor das Landesmuseum, vor den Kunstverein und vor allem vor den berühmten „Bogenschützen“ von Henry Moore gestellt. Dreist.

Dienstag, 15.08.2017, 11:08 Uhr

Stellt sich quer: Es gibt in dieser Ausgabe der Skulptur-Projekte kaum Ärgernisse. Der Tieflader von Cosima von Bonin und Tom Burr ist ein Anlass für Unverständnis und Empörung. Abgesehen davon stellt sich die Frage: Passt die Skulptur überhaupt in die Kiste?
Stellt sich quer: Es gibt in dieser Ausgabe der Skulptur-Projekte kaum Ärgernisse. Der Tieflader von Cosima von Bonin und Tom Burr ist ein Anlass für Unverständnis und Empörung. Abgesehen davon stellt sich die Frage: Passt die Skulptur überhaupt in die Kiste? Foto: Wilfried Gerharz

„Benz Bonin Burr “ haben die beiden Künstler ihre Arbeit genannt – eine ein bisschen alberne Alliteration. Jenseits des Buchstabengleichklangs spötteln sie damit gegen eine Haltung gegenüber Kunstfreunden, die Heroen feiern, Genies bewundern, in Bedeutsamkeit geradezu ertrinken. Die Devise scheint zu sein: Immer auf dem Teppich, respektive Laster bleiben. Die Kiste bedroht die Leihgabe aus Berlin mit Abtransport. Die „jungen“ Künstler (Jahrgang ’62/’63) stellen sich dem einflussreichen Meister aus England.

Ein Laster, der sich fern von Landstraße oder Autobahn inmitten urbaner Konsumwohligkeit querstellt, erinnert in Terror-Zeiten auch an ein bedrohtes Sicherheitsgefühl. Dass es ausgerechnet ein Diesel ist, hat Greenpeace rasch bemerkt und eine Todesanzeige auf die Gefahrgut-Warntafel am Führerhaus geklebt. Die ist hier an sich ein unbeschriebenes „Blatt“. Offenbar gehen Künstler und Kuratoren davon aus, dass von diesem Werk keine Gefahr ausgeht. Das kleine Schildchen an der Zumaschine steht allerdings nicht für „ Skulptur Projekte 2017“, sondern für die erfolgte Bremsenuntersuchung nach § 29 StVZO („SP“). Trotzdem ein schöner Zufall, denn auch für ästhetische oder provokante Auffälligkeiten in der Zeit bis zum 1. Oktober gilt: Nur wer ein „SP 17“ trägt, darf sich ein offizielles Skulptur-Projekt nennen.

Auf der leeren Ladefläche hat spontan schon eine Tee-Zeremonie stattgefunden. In der Blackbox, der schwarzen Kiste, befindet sich anscheinend nichts, soweit es durch die schmale Luke zu sehen ist.

Zum Thema

Die Westfälischen Nachrichten stellen in den nächsten Wochen in einer Serie die einzelnen Skulptur-Projekte in loser Folge vor.  | Wird fortgesetzt

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