Friedrich-Hundt-Gesellschaft zeigt im Stadtmuseum „Kombinatorische Fotografie“ von Alfons Eggert
Ein Bauer schreibt Kunstgeschichte

Münster -

45 Hektar Land, ein Dutzend Milchkühe, ein paar Schweine – klingt nicht nach Kunstgeschichte. Und doch hat ein münsterischer Landwirt Fotografie-Geschichte geschrieben.

Freitag, 25.08.2017, 06:08 Uhr

Einmalig: Der Landwirt Alfons Eggert entwickelte 1972 die „Kombinatorische Fotografie“, mit den zeittypisch irisierenden Farben, und schrieb Fotografie-Geschichte.
Einmalig: Der Landwirt Alfons Eggert entwickelte 1972 die „Kombinatorische Fotografie“, mit den zeittypisch irisierenden Farben, und schrieb Fotografie-Geschichte. Foto: Gerhard H. Kock

45 Hektar Land, ein Dutzend Milchkühe, ein paar Schweine – klingt nicht nach Kunstgeschichte. Und doch hat ein münsterischer Landwirt Fotografie-Geschichte geschrieben. Vor 45 Jahren schuf Alfons Eggert mit seiner „Kombinatorischen Fotografie“ eine höchst originelle, eigenständige fotografische Position innerhalb der sogenannten Generativen Fotografie der 1970er Jahre, die auf mathematischen Berechnungen beruht und gegenstandslos ist. Die Friedrich-Hundt-Gesellschaft würdigt diese Leistung mit einer sehenswerten Ausstellung im Stadtmuseum .

Die alt eingesessene Familie Eggert war schon früh fotoaffin. Bereits 1910 gab es die erste Kamera auf dem Hof. Bernhard Eggert infizierte seinen Sohn mit der Fotografie. Auf die „Kombinatorische Fotografie“ kam der durch das Zeichenspiel „Graficus“ mit seinen Schablonen. Mit der Freude des Spieltriebs, den Kenntnissen der Fotografie und den Fertigkeiten eines Landwirts entwickelte Alfons Eggert (Jahrgang 1928) die neue Fotografie-Kunstform und baute sich eine später patentierte Apparatur. Ferner schrieb er Hunderte von Programmierungen dafür. Danach wurden die entsprechenden Löcher in der Schablone geöffnet: Dadurch wurde das Licht freigegeben, um durch farbige Folien (die hatte sich Eggert vom Theater organisiert) auf den Film in der Kamera auf Dauerbelichtung zu treffen. Auch die Lichtintensität konnte reguliert werden. Zwei Stunden dauerte die Fertigstellung eines Bildes. Rund 300 Arbeiten umfasst die Werkreihe, von denen viele über Agenturen Verbreitung fanden. In jüngster Zeit inter­essiert sich die internationale Kunstszene für Eggert, wie Ausstellungen in Paris, Zürich und Berlin zeigen.

Die Ausstellung der Hundt-Gesellschaft ist gut konzipiert. Sie ordnet die Leistung Eggerts zeithistorisch ein – eine Zeit, in der Wissenschaft und Gesellschaft neue Freiräume erschlossen: die Mondlandung, die nicht zuletzt durch (damals) moderne Rechenleistung möglich war; die „68er“, die auch die Grenzen der Kreativität weitete, was ein Video versinnbildlicht, das ein Happening mit Nackttanz bei der Grundsteinlegung des Kleinen Hauses der Städtischen Bühnen zeigt. Dieses Fluidum des Zeitgeistes war die Atmosphäre für die kreative Leistung von Alfons Eggert.

Die Ästhetik der Fotografien Eggerts erinnert an die Op-Art der 60er Jahre eines Victor Vasarely (1906-1997) oder Josef Albers (1888-1976). Die irisierenden Punkte passen in die Hippie-Zeit der 70er Jahre. Eggert hat seine Kreise weiterentwickelt, Kreuzformen entstehen und Kreise übereinander liegen lassen.

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Die Ausstellung wird am Sonntag (27. August) um 16 Uhr im Stadtmuseum eröffnet.

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