Theater Saurüssel zeigt am Dom eindrucksvolle Performance über „Alles hat seine Zeit“
Rechts unten wird gebügelt

Münster -

Zwölf Meter hoch und 15 Meter breit ist das Gerüst, und trotzdem wirkt es klein vor dem mächtigen Gebäude des Doms. Noch kleiner wirken die Schauspieler auf den einzelnen Plattformen – eher wie Figuren in einem Setzkasten als wie wirkliche Menschen. Groß hingegen ist die Zuschauermenge, die sich auf dem Domplatz versammelt hat.

Freitag, 25.08.2017, 23:08 Uhr

Ein ganz normales Haus: Das Theater Saurüssel gewährt am Dom auf seiner Gerüstbühne einen Einblick in das normale Leben und entfaltet dadurch einen eigentümlichen Sog
Ein ganz normales Haus: Das Theater Saurüssel gewährt am Dom auf seiner Gerüstbühne einen Einblick in das normale Leben und entfaltet dadurch einen eigentümlichen Sog Foto: Helmut Jasny

Zwölf Meter hoch und 15 Meter breit ist das Gerüst, und trotzdem wirkt es klein vor dem mächtigen Gebäude des Doms. Noch kleiner wirken die Schauspieler auf den einzelnen Plattformen – eher wie Figuren in einem Setzkasten als wie wirkliche Menschen. Groß hingegen ist die Zuschauermenge, die sich auf dem Domplatz versammelt hat. Dort fand am Donnerstagabend die Premiere von „Alles hat seine Zeit“ statt, einer vom Theater Saurüssel konzipierten Performance mit zwei Dutzend Darstellern.

Diese haben sich auf dem Gerüst häuslich eingerichtet und machen, was man zu Hause eben so macht. Links oben vertreibt sich eine Frau mit Fernsehen die Zeit, rechts unten wird gebügelt. An einer Stelle wird gekocht, an einer anderen Wäsche aufgehängt, sodass bald eine ganze Armada von Büstenhaltern die Gerüststangen ziert. Ein Student studiert, eine Geschäftsmann macht Geschäfte, ein anderer schreddert seine Rechnungen, die er nicht bezahlen kann. Unten hat ein Mann den Tisch für ein romantisches Abendessen gedeckt und wartet auf seinen Gast, denn auch warten hat seine Zeit.

Das klingt alles nicht sonderlich spektakulär, entfaltet aber bald einen ganz eigentümlichen Sog. Dazu trägt nicht nur die voyeuristische Situation des Zuschauers bei, der auf das Gerüst wie in ein offenes Haus blickt, sondern auch die geschickte Licht-Choreographie, mit der die einzelnen Segmente beleuchtet und wieder abgedunkelt werden. Spotlichtartig und auf eine knappe halbe Stunde gerafft, erlebt man den Tagesablauf unterschiedlichster Menschen, zu denen auch eine schwarz gekleidete Diebin gehört, die durch alle Wohnungen klettert und überall etwas mitgehen lässt.

Den Gegenpol zum geschäftigen Treiben der Alltagsmenschen bildet eine Frau, die sich zur Meditation niedergelassen hat. Im Lotossitz thront sie als unbewegte Bewegerin ganz oben auf dem Gerüst und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen – nicht durch das schrille Weckerklingeln am Morgen, nicht durch die Polizeisirenen, die tagsüber die Stille zerreißen, und auch nicht durch das Fest, zu dem sich einige der Bewohner am Abend versammeln. Erst tief in der Nacht, wenn alle erschöpft in ihre Betten sinken, erhebt sie sich und steigt erhabenen Schrittes die Leiter herab. Ein eindrucksvolles Schlussbild für eine nicht weniger eindrucksvolle Performance.

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Weitere Vorstellungen auf dem Domplatz sind am Samstag und Donnerstag (26. und 31. August) sowie am Freitag und Samstag (1. und 2. September) jeweils um 21.15 und 22 Uhr vor dem St.-Paulus-Dom. Der Eintritt ist frei.  | www.makelab.de

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