Eine besondere Frau aus Luthers Zeit
Ohne Furcht und Tadel

Münster -

Vielleicht ist der Glaube die schwerste Sache der Welt. Gegenwärtig gönnt kaum ein Glaube dem anderen den kleinsten Lichtblick. Radikale Gegnerschaften sind nicht neu: Im 16. Jahrhundert bestand das Christentum mit der Reformation seine erste neuzeitliche Prüfung, die Martin Luther mit rhetorischer Brachialgewalt entfesselte. Luther avancierte zum Popstar – kaum jemand aber kennt Argula von Grumbach (~1492-1568), eine Zeitgenossin Luthers und brennende Bekennerin der Reformation. Das Musical „Argula von Grumbach – Mutter Courage der Reformation“ (Musik: Brigitte Stumpf-Gieselmann, Text: Marion Lohoff-Börger) das anlässlich des Lutherjahres vom Pauluschor Freckenhorst in der Erlöserkirche uraufgeführt wurde, stellt diese Gläubige ohne Furcht und Tadel in den dramaturgischen Mittelpunkt.

Sonntag, 24.09.2017, 17:09 Uhr

Die Protagonisten Friedrich v. Grumbach (Felix Stöppler) und Argula (Ricarda Gerlach) mit dem Chor
Die Protagonisten Friedrich v. Grumbach (Felix Stöppler) und Argula (Ricarda Gerlach) mit dem Chor Foto: Günter Moseler

Ein gemischter Chor – die Frauen mit Haube, die Männer mit Wams (Kostüme: Christiane Winz-Völkert) - platzierte sich im Halbkreis vor dem Altar, ein Spinnrad ergänzte diskret den Mittelalter-Touch. Links saß die Band mit Percussion, Piano, Bass und Saxophon. Erzählerin (unsentimental: Gisela Günnewig ) und Akteure nutzten die Freifläche ideal, präzise Gesten und engagierter Gesang ließen Enge und Aufruhr, Widerstand und Vision lebendig werden. Das in sieben Szenen unterteilte Stück (Regie: Bart Hogenboom) zeichnet Argula Leben in szenischen Spots von der Kindheit bis zur reformatorischen Gesinnung nach und endet mit einer „Hymne auf Argula“.

Es begann idyllisch: Kinder tanzen, die kleine Argula (natürlich: Natascha Aerdker) feiert ihren zehnten Geburtstag. Ihr Vater (gradlinig: Rudolf Berger) überreicht ihr als Geschenk eine dicke Bibel – sie wird für Argula zum Lebensbuch. Vaters Losung „Nimm dein Herz und den Verstand“ begleiten Argula bis zum Schluss, an ihrer vollkommenen Sanftmut scheitert gar Gatte Friedrich von Grumbach (mit fabelhaftem Bariton: Felix Stöppler). Die erwachsene Argula (nobel in Auftritt und Stimme: Ricarda Gerlach) lässt sich nicht beirren, ihr Brief über Nächstenliebe und Friedensgebot an die Professores der Ingolstädter Universität zirkuliert bald als Flugschrift und provoziert den „Protest-Rap“ des Volkes, eine der stärksten Nummern, indem er sich vom lyrischen Grundton generell absetzte und den Streit als prinzipiell „modern“ legitimierte.

Es gehörte zu den Vorzügen des Musicals, barbarische Gesinnungen und Sitten jener Zeit nicht zu unterschlagen: Immerhin empfehlen die Gelehrten dem Reichsritter Friedrich, der Gattin die Hand abzuhacken! Der aber ahnt schon, auf wessen Seite die Geschichte steht – und so wird der Glaube plötzlich zur leichtesten Sache der Welt. Begeisterter Beifall.

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