Thomas Nufers Produktion „Heim.weh“ im Pumpenhaus
Fiktiv, aber fundiert

Münster -

Diese Journalistin nimmt sich einer guten, wichtigen Sache an; sympathisch ist sie nicht. Mit einem geflohenen „Heimkind“ führt Ulrike Meinhof 1970 Interviews in einem Berliner Café, so will es der Rahmen von „Heim.weh“ am Mittwochabend im Foyer des Pumpenhauses.

Donnerstag, 05.10.2017, 18:10 Uhr

Nun will das Heimkind (Janine Quandt) handeln, mit Selbstverbrennung. Ulrike Meinhof (Corinna Bilke, l.) ist entsetzt.
Nun will das Heimkind (Janine Quandt) handeln, mit Selbstverbrennung. Ulrike Meinhof (Corinna Bilke, l.) ist entsetzt. Foto: Andreas Hasenkamp

Meinhofs Habitus ist selbstbewusst, ja belehrend bis doktrinär gegenüber dem „Proletarierkind“, das sie in ihre Theorie eingebunden hat. Die Zustände im Heim spiegelten die Gesellschaft, so müsse die Aktion mit diesen und anderen Marginalisierten die Gesellschaft verändern. Man müsse wissen, was für andere gut und richtig ist, lässt das Buch die Meinhof sagen.

Jegliche Bildung verwehrt das Heim-System so einem Kind, einer Heißmangel-Bedienerin, das weiß Meinhof. Und kommt ihr trotzdem mit Fremdwörtern, empört sich, als das Heimkind nichts von einem Mikrofon versteht. Es, dem man beigebracht hat, dass es „nichts“ ist und kann.

Das Heimkind hat eigene, theoriewidrige Pläne: ein Friseursalon, im Auto vorfahren wie Soraya, dann der Selbstmord aus dem Benzinkanister. Der Meinhof schleudert sie ins Gesicht, sie habe ja nichts erlebt – Meinhof bezweifelt den eigenen Weg, per Film aufrütteln zu wollen; Aktion müsse sein, Reden, Wahlkampf. Dann kommt sie nicht mehr zum Interview-Termin; der Kellner hängt ihr Fahndungsplakat auf.

Geschrieben und inszeniert hat das Stück Thomas Nufer; ihm bescheinigte Anja Röhl, Stieftochter der Meinhof, eine authentische Darstellung ihrer Stiefmutter. Die Szenen der Treffen im Café sind fiktiv, aber fundiert: Zitate der Meinhof, Motive aus dem Buch „Stille Schreie“ von Regina Page nutzt Nufer. Uraufgeführt wurde das Stück 2015 im Café Milagro in Berlin.

Eine überzeugende schauspielerische Leistung bieten Janine Quandt als Heimkind und Corinna Bilke als Ulrike Meinhof. Martin Schlathölter spielt den Kellner.

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Weitere Termine: heute, 6.10., im Theater im Pumpenhaus und am 27.10. in der ESG. Am Samstag (7.10.) spricht im Pumpenhaus Anja Röhl über „Die Frau meines Vaters“ (jeweils 20 Uhr).

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