Helsinki Strings und Westfälisches Jugendkammerorchester im Rathausfestsaal
Eine Streicher-Sause in XXL

Münster -

Es gibt Konzerte, die sind so gut, dass man nicht weiß, was man hervorheben soll. Wie am Freitag im Rathaussaal, als die berühmten Helsinki Strings ihre Kunst zelebrierten.

Sonntag, 22.10.2017, 16:10 Uhr

Dirigent Jukka Rantamäki war nicht der Einzige im Rathausfestsaal, der die Geigerinnen Darja Gustafsson und Laura Kukkonen nach ihren Soli bejubelte.
Dirigent Jukka Rantamäki war nicht der Einzige im Rathausfestsaal, der die Geigerinnen Darja Gustafsson und Laura Kukkonen nach ihren Soli bejubelte. Foto: zin

War hier die Klangkultur das Besondere? Oder die Werkauswahl, die großartige Streichermusik des 20. Jahrhunderts (plus eine deutsche Erstaufführung) präsentierte? Oder die Selbstverständlichkeit, mit der sich das junge finnische Ensemble mit dem Jugendkammerorchester der hiesigen Musikschule am Schluss vereinte? Wie auch immer: Es gab wohl wenige Konzerte, die sich im Jahr 2017 mit diesem messen konnten.

Was die Helsinki Strings vorführen, sind auch die Früchte der einmaligen finnischen Musikkultur und -förderung. Die Mitglieder sind zwischen zehn und 20 Jahren alt – und bestehen aktuell fast nur aus jungen Frauen und Mädchen. Das Publikum war hingerissen, zumal Dirigent Jukka Rantamäki alle Werke mit beeindruckender Intensität leitete.

Dass die Helsinki Strings ihren Sibelius draufhaben, ist klar. Der hat abseits der berühmten Sinfonien auch Charmantes für kleinere Besetzungen geschrieben. So die Humoresken op. 89 (Nr. 3 und 4), die mit nordischem Ton und poetischer Stimmung bezauberten. Und wie raffiniert die ersten Geigerinnen Darja Gustafsson und Laura Kukkonen die Soli angingen – da war der Saal doppelt aus dem Häuschen.

Der erste Teil war komplett finnisch: Mit einem fetzigen „Danza Karelia“ (1977) von Ahti Sonninen. Und „Triptych“, das der (vor allem als Pianist berühmte) Olli Mustonen im Vorjahr eigens für die „Strings“ komponierte. Gut! Aber noch weit ausdrucksstärker tönte die Kammersinfonie op. 110a von Schostakowitsch: Eine sarkastische Selbst-Retro-spektive mit Zitaten, ein depressiver „Abschiedsbrief an sich selbst“, wie Dirigent Rantamäki ausführte. Und wie sich die junge Truppe hier einfühlen konnte, klang umwerfend. Und schmerzlich.

Die „Tänze aus dem Land der Trolle“ stammten vom deutschen (Film-)Musiker Enjott Schneider; Saft-und-Kraft-Musik mit prallen Effekten, inklusive Fußstampfen oder „Klopfen auf Holz“. Gemeinsam mit dem Westfälischen Jugendkammerorchester eine Streicher-Sause in XXL.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5239180?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Das perfekte Dinner: Um Haaresbreite geschlagen
V.l.: Eva, Hanni, Gastgeber Claus, Filippi und Eduardo „Eddi“
Nachrichten-Ticker