Uraufführung von Felix Bürkles One-Man-Show „Self-made“
Von der Fragilität der Künstlerexistenz

Münster -

Bunte Plastiktüten aus aller Welt sind kreisförmig über dem schwarzen Bühnenboden verteilt. Sie markieren die Arena für einen Artisten, der sein bisheriges Leben als Künstler Revue passieren lässt, während er schon wieder zur nächsten Performance auf den Bühnenbrettern steht. „Self-made“ ist der Titel dieser One-Man-Show, die im Pumpenhaus als Uraufführung zu sehen war und diverse Künste miteinander verbindet. Denn Bürkle steht nicht nur als Jongleur und Einrad-Künstler auf der Bühne, sondern auch als Tänzer und Musiker.

Sonntag, 22.10.2017, 16:10 Uhr

Felix Bürkle bot eine abwechslungsreiche und vielschichtige One-Man-Show.
Felix Bürkle bot eine abwechslungsreiche und vielschichtige One-Man-Show. Foto: Oliver Look

Diabolo-Stäbe zischen wie Lassos durch die Luft, wenn der Performer sie über seinem Kopf rotieren lässt, Mikrofone halten die Akustik fest. Einmal aufgenommen und immer wieder abgespielt, meint man Wind zu hören, während Felix Bürkle als Jongleur in einer imaginären Straßenszene auftritt. Mal lässt er das Diabolo kunstvoll um seinen Körper tanzen, mal fängt er es ein; wenn der Artist das Spielgerät auf dem Stab rotieren lässt, knarzt es hölzern. Horst Mühlberger und Jörn Nettingsmeier in der Lichtregie sorgen dafür, dass die Silhouette des Künstlers an allen drei Bühnenseiten zu sehen ist – Vergangenheit und Gegenwart scheinen so zum Greifen nah.

Einige Szenen ziehen sich in die Länge, wenn der Künstler etwa seine Requisiten geräuschvoll herbeischleppt oder die Bühne für seinen Auftritt präpariert. Dass Bürkle als ausgebildeter Artist auch mal mit brennenden Fackeln auftritt, erhöht den Unterhaltungswert. Faszinierend wird es allerdings erst, wenn die Härte des Berufs zum Thema wird, der so viel Disziplin und Entbehrung voraussetzt. In schwachen Momenten scheint das Einrad unerreichbar hoch. Klein und beinahe hilflos wirkt Bürkle, wenn er, das Rad auf dem Kopf balancierend, auf dem Boden hockt, das schwere Gerät scheint ihn beinahe zu erdrücken. Der stärkste Moment des Abends gelingt dem Multitalent, als Tanz und Artistik einander durchdringen. Indem Felix Bürkle choreographisch der Bewegung des Diabolos nachspürt und zugleich als Individuum sichtbar ist, ängstlich darauf bedacht, die Kontrolle über das Objekt zu wahren, kommt die Fragilität dieser Künstlerexistenz vollends zum Ausdruck.

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