Roland Jankowsky stellte seine „François Villon“-CD vor
Overbeck besingt Mordbuben und gefallene Mädchen

Münster -

„Ganz Paris kennt die Adresse!“ Wo das Licht schummrig leuchtet. Wo sie alle verstohlen hinschleichen: „Hier verkehren Adel, Dichter, Polizei, Beamte, Richter  . . .“.

Dienstag, 24.10.2017, 19:10 Uhr

Im Hot Jazz Club stellte der Schauspieler Roland Jankowsky seine Villon-CD vor.
Im Hot Jazz Club stellte der Schauspieler Roland Jankowsky seine Villon-CD vor. Foto: Arndt Zinkant

„Ganz Paris kennt die Adresse!“ Wo das Licht schummrig leuchtet. Wo sie alle verstohlen hinschleichen: „Hier verkehren Adel, Dichter, Polizei, Beamte, Richter  . . .“. Auch der berühmte „Ganoven-Dichter“ François Villon kannte selbstredend die Adresse, und seine „Hurenballade“ malte den Besuchern ein Grinsen ins Gesicht. Kein verschämtes, sondern ein breites. So cool und lässig intonierte Roland Jankowsky seinen Villon im Hot Jazz Club.

Es war weniger ein Konzert als eine CD-Präsentation, und so war denn auch die Enttäuschung deutlich hörbar, als der „ Wilsberg “-Schauspieler, bekannt als Kommissar Overbeck, nach einer halben Stunde Schluss machen wollte. „Oooch!“ Gerade erst hatte man sich in die pralle Kaschemmen-Welt des Villon eingehört, all die schmuddligen Figuren vor dem geistigen Auge vorbeiparadieren sehen – da sollte die Balladenstimmung schon verpufft sein?

Nein, nicht ganz: Roland Jankowsky und sein Pianist Roman Rusch ließen sich zu einer Zugabe bewegen. Dass die „Wilsberg“-Entourage anwesend war, verstand sich von selbst, schließlich laufen im Augenblick wieder Dreharbeiten. Dass Jankowsky auch ein versierter Sänger ist, weiß man. Und die Vertonungen des anwesenden Komponisten Tilman Reimers sind durchaus vertrackt: Irgendwo zwischen Chanson und Bänkelsang muss der Interpret changieren, während das Klavier mehr als nur ein paar Akkorde dazwischenstreut. Das können vollgriffige Bass-Passagen, wilde Glissandi oder auch mal eine düstere Marseillaise sein. Chapeau!

Und Jankowsky findet einen eigenen Ton, der mit den hemmungslosen Kinski-Versionen nichts gemein hat. Vielleicht ist er hier und da zu „cool“, wenn er all die Mordbuben und gefallenen Mädchen besingt. Wenn er sich aber frivol aufs eigene Hinterteil schlägt, springt der Funke über. „Na, mein Kleiner, kein Interesse? Ganz Paris kennt die Adresse!“

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