VHS-Chor konzertiert in der Überwasserkirche
Zu Ehren des Gründers

Münster -

Fast ein halbes Jahrhundert lang stand Hermann Kreutz (86) am Dirigentenpult des Kammerchores der VHS, den er im letzten Jahr krankheitsbedingt aufgeben musste. Der Chor indes machte weiter – und ehrte seinen ehemaligen Gründer und Leiter am Samstag mit einem Adventskonzert in der gefüllten Überwasserkirche.

Sonntag, 17.12.2017, 16:12 Uhr

Der VHS-Chor bei seinem Auftritt in der münsterschen Überwasserkirche.
Der VHS-Chor bei seinem Auftritt in der münsterschen Überwasserkirche. Foto: Schulte im Walde

Etliche Chormitglieder singen seit mehr als vierzig Jahren in diesem Laien-Ensemble. Genau dies war auch jetzt spürbar, denn aus jedem der vorgetragenen Werke, ob aus dem Frühbarock, der Romantik oder dem 20. Jahrhundert, sprach klar und deutlich die ästhetische Handschrift, die für alle von Hermann Kreutz geformten Chöre so charakteristisch war und ist: ein warmes, rundes Klangbild, gleichwohl ohne romantische „Soße“; die Achtsamkeit auf den Sinn des gesungenen Wortes, dem mit expressiver Geste Raum gegeben wird. Kreutz ging es dagegen nie um den nackten, „objektiven“ oder körperlosen Klang, womöglich noch gepaart mit der Aufstellung von Geschwindigkeitsrekorden etwa bei polyphoner Musik.

Genau diesem Ideal folgte Jürgen Janotta , selbst eine Zeit lang Kreutz-Schüler und Gastdirigent für dieses bemerkenswerte und gelungene Konzert in Überwasser. Mit ausladendem Dirigat inspirierte er das VHS-Ensemble und entlockte ihm Töne, bei denen man die Ohren spitzte. In Mozarts „Ave verum“ zum Beispiel, oder in Johann Eccards „Über’s Gebirg’ Maria geht“.

Selbst dort, wo die Dynamik in den Piano-Bereich heruntergefahren wurde, gab es vokale Substanz. Herausforderungen rhythmischer Art wie in Hugo Distlers Advents-Motetten, in denen der Komponist gern mal ungewöhnliche Haken schlägt, wurden mit Lockerheit und Leichtigkeit bewältigt. Was vielleicht aktuell ein wenig fehlt: Durchschlagskraft im Fortissimo, so in Mendelssohns „Jauchzet dem Herrn“. Dazu bedürfte es womöglich ein paar jüngerer Stimmen im Chor. Die können und dürfen ja noch kommen. Aber ansonsten? „Ganz die alte Kreutz-Schule“ bemerkte ein Zuhörer. Genau so ist es. Denn an Schönklang hat es an diesem Abend wahrlich nicht gefehlt – auch Dank der Flöten-Soli, die Gertrud Sauer als ansprechende Farbtupfer beisteuerte.

Nach zwei Jahren Konzert-Pause präsentierte sich der von Jürgen Janotta bestens vorbereitete VHS-Chor in alter Frische. Schön wär’s, die Arbeit von Hermann Kreutz ginge auch in Zukunft weiter, wie auch immer.

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