Triumph-Klänge und Themse-Nebel
Beim Neujahrskonzert im Theater Münster ging es „very british“ zu

Münster -

Auf den Donauwalzer als übliche Zugabe mussten die Gäste der beiden Neujahrskonzerte in Münster diesmal verzichten. Aber das fiel ihnen nicht weiter schwer. Denn Generalmusikdirektor Golo Berg, der in Münster sein erstes Neujahrskonzert zusammen mit Götz Alsmann leitete, hatte in gut zwei Stunden ein derart süffiges Programm unter dem Motiv „Very british“ serviert, dass der 20-minütige Donauwalzer am Ende vermutlich nur gestört oder sogar fad geschmeckt hätte. Dafür durfte das Theaterpublikum im Großen Haus nach dem immerhin gewährten Radetzky-Marsch und dem traumhaften Westminster-Waltz von Robert Farnon noch einmal „Land of Hope and Glory“ aus Edward Elgars „Pomp and Circumstance“ anstimmen, das schon am Eingang des Konzerts stand und so den passenden pathetischen Rahmen für das Neujahrskonzert bildete. An dem hätten die Briten übrigens sicher ihre helle Freude gehabt. Zumal „Wink-Elemente“ ausgeteilt wurden und die im Rhythmus mitschwingenden Union-Jack-Fähnchen an jene jährlichen Veranstaltungen auf der Insel erinnerten, die unter dem Titel „Last Night of the Proms“ auch hierzulande sehr beliebt sind.

Dienstag, 02.01.2018, 16:01 Uhr

Golo Berg leitete erstmals als Generalmusikdirektor das Neujahrskonzert in Münster. Wieder mit dabei: Götz Alsmann (kl. Bild).
Golo Berg leitete erstmals als Generalmusikdirektor das Neujahrskonzert in Münster. Wieder mit dabei: Götz Alsmann (kl. Bild). Foto: Rüdiger Wölk

Dabei haben die Proms nichts mit Promis zu tun. Sie stehen vielmehr in der Tradition der beliebten Promenadenkonzerte, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen und bei denen sich Stände, Schichten und Generationen plaudernd und essend zur Musik einfanden.

Münsters Entertainer und Musiker Götz Alsmann lieferte eingangs seine eigene Begründung für die Wahl des Leitthemas. Es gehe wohl eher nicht darum, die Briten und ihren Brexit zu feiern, „wir machen das eher aus Mitleid“, grinste er am Bühnenrand. Doch für eine Mitleidstour war die Musik dann doch zu pathetisch und bombastisch. Zum Beispiel beim „The Dam Busters March“ von Eric Coates oder dem Marsch der Bogenschützen aus der Robin-Hood-Suite von Frederic Curzon, bei dem man Alsmann und seine Mannen gerne in grünen Strumpfhosen tanzen gesehen hätte. Irgendwie doch spannend, wie die Komponisten mit einer Lebensspanne vom ausgehenden 19. bis weit ins 20. Jahrhundert hinein  immer wieder Britannien als Weltmacht lobten, die doch bitteschön über die Wellen und Weltmeere regieren sollte.

Wo Golo Berg mit geschmeidigem und doch stets akkuratem Gestus die Triumphe Great Britains ausmalte, da sorgte Götz Alsmann mit seiner Band für das andere Großbritannien – als Land des Krimis zum Beispiel, wo sich im Nebel an der Themse Gruseliges und Grauenvolles abspielt und Miss Marple unter der bekannten Filmmelodie von Ron Goodwin, bei der man allerdings das Cembalo vermisste, die Mörder aufspürt. Den Klangrausch lieferte bei all den schmachtenden Walzern, zackigen Märschen und feierlichen Chorälen ohnehin das bis auf einige wenige Blechkiekser stets hochkonzentrierte Sinfonieorchester, wohingegen sich das Klangspektrum der Alsmann-Band doch eher bescheiden ausnahm.

Mit Sir Henry Woods „Fantasia on British Sea Songs“ war jedenfalls am Ende der Gipfel des Musikgenusses erreicht. Ob Großbritannien trotz der prächtigen Unterstützung der Musiker aus Münster künftig noch jene alte Rolle in Europa einnehmen wird, darf man angesichts der Irrungen und Wirrungen des Brexits natürlich bezweifeln. Aber gute Komponisten und wunderschöne Musik haben sie auf jeden Fall, die Briten.

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