Der Clown Correggio zieht im Pumpenhaus Halbzeit-Bilanz
Politessen wie Schneewittchen

Münster -

Zwei Seelen wohnen, ach, in seiner Brust. Die des Clowns und die des Managers. Klingt komisch – ist es auch. Wenn Raoul Schoregge sich in sein Alter Ego, den Clown „Correggio“, verwandelt, schaut ihm sein Manager-Ich auf der Bühne über die Schulter. Von der Leinwand herab – so, wie einst der Fabrikboss in Charlie Chaplins „Moderne Zeiten“ seine Angestellten von der Leinwand herab maßregelte. Big Brother is watching you!

Sonntag, 07.01.2018, 17:01 Uhr

Correggio der Clown (l.) ist nur die eine Facette des Raoul Schoregge. Als Manager erzählt er von seinen Reisen.
Correggio der Clown (l.) ist nur die eine Facette des Raoul Schoregge. Als Manager erzählt er von seinen Reisen. Foto: Ralf Emmerich

Aber wenn sich im „Big Brother“ nur das eigene Manager-Ich manifestiert, ist das weniger bedrohlich als amüsant. Kein Wunder, dass die Corregio-Fans, die das Pumpenhaus bis unters Dach füllten, frenetisch applaudierten. Was Schoregge , der Clown-Manager aus Havixbeck, zelebrierte, war eine heiter-nachdenkliche Selbstbespiegelung. Da saß er am Ende am Küchentisch und hielt melancholisch Rückschau auf über 20 Jahre – im Gespräch mit seinem Clowns-Ich, das er in Form der roten Nase in Händen hielt. „Halbzeit“ heißt sein Correggio-Programm, das er mit Regisseurin Inga Dietrich realisiert hat.

Der episch lange Abend zerfiel in zwei Teile. Zunächst witzelte sich der geschminkte Clown Correggio zu Schelmen-Jazz durch pantomimische Nummern. Immer wieder aufgescheucht durch den gegelten Manager Schoregge auf der Leinwand – der sich im gespielten Wichtikus-Modus über Flughäfen oder doofe Angestellte echauffierte.

Hier war es gut zu wissen, dass der Mann, der seit den Achtzigern erfolgreich seinem Vorbild Oleg Popov nacheifert, seit vielen Jahren auch den Chinesischen Nationalzirkus managt. So raunzte er nicht von ungefähr kulturelle Insider-Weisheiten von der Leinwand; erzählte von „Tante Dong aus Peking“ oder dass man im Reich der Mitte keine Uhren verschenken soll (Botschaft: „Deine Zeit ist abgelaufen“).

Da konnte das geschminkte Correggio-Gesicht im Hier und Jetzt nur große Augen machen und sich clownesk mit den Tücken des Alltags plagen. Sei es beim Rendezvous mit einer Unsichtbaren, das zur grotesken Sexualanbahnung führte, sei es bei den Tücken der Hunde-Erziehung, die zum Selbst-Verzehr des Chappis führte.

Nach der Pause erzählte Raoul Schoregge ungeschminkt von sich selbst; auf Kabarett-Niveau. Vor allem seine Einladung nach Nordkorea war vor aktueller Weltlage hochinteressant. Er erzählte von Pjöngjang, der Drei-Millionen-Stadt ohne Reklame und Nachtbeleuchtung, oder vom grotesken „Museum der Freundschaft“. Und von nordkoreanischen Politessen – den schönsten Zerberussen seit Schneewittchen: Die Haut weiß wie Schnee, das Haar schwarz wie Ebenholz. Und obendrauf ’ne Pelzmütze.

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