Pianist Geunsu Shim krönt sein Konzertexamen
Reife, musikalisches Format und finaler Sturmlauf

Münster -

Das Schlachtross, das Geunsu Shim gesattelt hatte, hätte kaum bekannter sein können: Peter Tschaikowskys erstes Klavierkonzert in b-Moll. Mehrfach preisgekrönt ist Shim bereits – am Samstagabend absolvierte er mit einem Orchesterkonzert sein Konzertexamen. Der junge Virtuose aus der Klavierklasse von Prof. Arnulf von Arnim erhielt in der voll besetzten Aasee-Aula rauschenden Applaus, sekundiert vom Orchester der Musikhochschule mit Fabrizio Ventura am Pult: Glänzend.

Sonntag, 14.01.2018, 16:01 Uhr

Beifall für den Pianisten: Dirigent Fabrizio Ventura applaudiert Geunsu Shim nach seinem Examenskonzert.
Beifall für den Pianisten: Dirigent Fabrizio Ventura applaudiert Geunsu Shim nach seinem Examenskonzert. Foto: Zinkant

Was Ventura aus dem Hochschulorchester herauszuholen vermag, war bereits vor einem Jahr an gleicher Stelle zu hören gewesen. Nur das Examens-Stück hätte verschiedener nicht sein können: War es damals das sperrige, eisig-depressive erste Violinkonzert von Schostakowitsch (ebenso Beifall-umrauscht!), so durfte der Saal an diesem Abend in romantischem Orchestergesang, wilden Tastengewittern und viel russischer Seele baden.

Dabei strahlte die Darbietung von Geunsu Shim Reife und musikalisches Format aus. Einerseits spürte er der unerschöpflichen melodischen Fantasie Tschaikowskys mit nuanciertem Anschlag nach, ohne einen Takt im Pedal zu vernebeln. Anderseits feuerte er vollgriffige Akkordkaskaden ab und blieb dem berühmten Reißer nichts an Effekt schuldig. Mitunter schien er gerade an diesen Passagen die größte Freude zu haben; sei es den Kadenzen oder dem finalen Sturmlauf. Ventura und das Musikhochschulorchester umspielten dies alles mit beinahe kammermusikalischer Delikatesse – da war ein etwas zu zahmer „Punch“ zu Beginn absolut zu verschmerzen. Kein Zweifel, hier war Shim der Chef im Ring, und so sollte es auch sein.

Im zweiten Teil hatte Ventura die wunderbare d-Moll-Symphonie von César Franck aufs Programm gesetzt, ein Stück, mit dem er bereits als GMD „sein“ Sinfonieorchester Münster glänzen ließ. Und an Intensität konnte die Aufführung am Aasee durchaus mithalten. Fabrizio Ventura schwelgte sichtbar in Francks tristanesker, französisch parfümierter Chromatik – und die jungen Streicher nicht minder. Ob sie das Drama tremolierend bis zum Höhepunkt treiben oder den geheimnisvollen Trauermarsch des Englischhorns umwispern mussten – alles war glutvoll gespielt. Und im Finale durfte es schließlich sogar swingen.

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