Droste-Matinee: Neues Grundlagenwerk erscheint 2018
Vollständigkeit angestrebt

Münster -

Ein bisschen wehten die Skulptur-Projekte des vergangenen Sommers noch in den Erbdrostenhof, hin zur Matinee der Droste-Gesellschaft. Prof. Dr. Cornelia Blasberg verwies in der Begrüßung auf den beliebten Nicole-Eisenman-Brunnen „Sketch for a Fountain“, wo gleichsam „unter Annettes Augen“ sich laszive Gestalten räkelten, denen trotz ihrer „heutigen“ Sinnlichkeit das Element des Vergänglichen eingeschrieben war. „Besteht eine Verbindung zwischen der westfälischen Heimatdichterin des frühen 19. und der New Yorker Künstlerin des frühen 21. Jahrhunderts?“, fragte die Literaturwissenschaftlerin lächelnd.

Sonntag, 14.01.2018, 16:01 Uhr

Droste-Matinee: Dr. Jochen Grywatsch und Prof. Dr. Cornelia Blasberg referierten, Pianist Justus Gericks (r.) lieferte den konzertanten Teil.
Droste-Matinee: Dr. Jochen Grywatsch und Prof. Dr. Cornelia Blasberg referierten, Pianist Justus Gericks (r.) lieferte den konzertanten Teil. Foto: Zinkant

Das eigentliche Thema der Droste-Matinee zum 221. Geburtstag war indes das in diesem Jahr erscheinende „Droste-Handbuch“. Herausgeber sind Prof. Blasberg und Dr. Jochen Grywatsch (die Vorsitzende und der Geschäftsführer der Droste-Gesellschaft), mitgewirkt haben etwa 40 Wissenschaftler. Das Buch versteht sich als neues Grundlagenwerk und erschließt das literarische, musikalische und Briefwerk der Droste „in bislang nicht vorhandener Vollständigkeit“.

Der Festvortrag, umrahmt vom kraftvollen Spiel des jungen Pianisten Justus Gerick, widmete sich den „Gedichten vermischten Inhalts“ der Ausgabe von 1844. Die Redebeiträge der zwei Droste-Experten hatten hohen Anspruch und waren intellektueller Input für Eingeweihte. Zumindest war intime Kennerschaft der Gedichte von Nutzen, über die sogleich das Vorurteil ausgeräumt wurde, es handele sich um jenes „Sammelsurium“, das der Titel suggeriert.

Vielmehr habe die Droste ihre „Gedichte vermischten Inhalts“ in mühevollen Strukturierungsprozessen eine programmatische Gestalt verliehen. Diese habe mit dem gesellschaftspolitischen Diskurs des Vormärz ebenso zu tun wie mit der persönlichen Biografie der Dichterin. Da taucht ihr literarisches Vorbild Katharine Schücking ebenso auf wie Clemens von Droste. Und die drei aufeinanderfolgenden Liebesgedichte hätten, so Jochen Grywatsch, ebenso mit göttlicher Spiritualität wie erotischer Sinnlichkeit zu tun.

Cornelia Blasberg betonte, das „Gelegenheitsgedicht“ habe um 1840 als Massenware gegolten, und die Droste habe dies ironisierend aufgegriffen. Ihre Gedichte seien – auch dort, wo sie scheinbar rein Persönliches verhandeln – keine biografischen Zeugnisse, sondern Kunstwerke. Da fügten sich die Chopin-Interpretationen von Pianist Justus Gericks in ihrem Sturm- und Drang-Gestus (Scherzo Nr.3!) prächtig ein.

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