Der münstersche Bildhauer Rudolf Breilmann ist im Alter von 88 Jahren gestorben
Ein Meister der klaren Form

Münsterland -

Er zählte zu den bedeutendsten Künstlern des Münsterlandes. Im Alter von 88 Jahren ist der Bildhauer Rudolf Breilmann am vergangenen Samstag, 20. Januar, gestorben. Ein Nachruf.

Montag, 22.01.2018, 13:01 Uhr

Rudolf Breilmann 2009 in seinem Atelier in Roxel. Neben ihm das Modell jener Haydn-Büste, die heute das Gymnasium Senden ziert.
Rudolf Breilmann 2009 in seinem Atelier in Roxel. Neben ihm das Modell jener Haydn-Büste, die heute das Gymnasium Senden ziert. Foto: Loy

Es gab und gibt nicht viele Künstler in der Region, deren Werk in Münster und Münsterland derart weit verbreitet, intellektuell ansprechend und zugleich populär ist. Der münstersche Künstler Rudolf Breilmann , der am Samstag, 20. Januar, im Alter von 88 Jahren gestorben ist, zählte über viele Jahrzehnte zu den bedeutendsten und bekanntesten Künstlern des Münsterlandes. Er konnte mit Fug und recht von sich sagen, dass er sich in seinem Traumberuf voll und ganz entfalten durfte, und das bis ins hohe Alter.

Für Künstler gibt es eigentlich keinen Schlusspunkt der schöpferischen Arbeit. Das zeigte sich, wenn man Breilmann zu runden Geburtstagen oder bei sonstigen Gelegenheiten in seinem schönen Atelier in Roxel besuchte. Als Skizze und als Gipsmodell war dort etwa noch zum 80. Geburtsag Breilmanns ein Mann zu sehen, der dessen Lebensweg entscheidend geprägt hat. „Es war immer mein Traum, ein Denkmal für Kardinal von Galen zu fertigen“, sagt Breilmann damals im Gespräch. „Schließlich hat er mich als Pfarrer von St. Lamberti getauft. Außerdem war ich bei ihm Messdiener.“

Schon in den 60er Jahren, so erzählte Breilmann, sollte der Traum verwirklicht werden, und er hatte auch einflussreiche Fürsprecher im Domkapitel, doch dann verlief die Angelegenheit im Sand. Erst in den 80er Jahren wurde die Idee eines Denkmals wieder aufgegriffen, doch dann kam ein anderer Künstler zum Zuge. Über Standort und Ausführung wurde damals heftig gestritten.

Breilmanns Opus

Viele Gebäude, Brunnen, Kirchen und Plätze in Münster und im Münsterland sind heute unvorstellbar ohne die Kunst von Rudolf Breilmann. Der Nikolaus am Spiekerhof, der Paulus am Gymnasium Paulinum, der Nepomuk auf der Aa-Brücke am Aegidiimarkt oder auch die Pforte der Martinikirche sprechen die klare Formensprache Breilmanns. In Nottuln steht sein Schlaun, im Sendener Gymnasium sein Haydn. Breilmann war aber stets auch Zeichner und Grafiker: „Die Zeichnung ist nämlich die Grundlage für alles andere.“

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Umso mehr freute es Breilmann, dass das Heimathaus Münsterland in Telgte ihm 2010 eine große Retrospektive im Kleihues-Bau ausrichtete. An der Gasse zwischen den beiden Baukörpern des Museums sollte im Gefolge auch ein Galen-Denkmal entstehen. Mit langem Chormantel und hochaufragender Mi­tra wollte Breilmann diese Figur gestalten, die als Skizze und als anmodellierte Gipsfigur schon in seinem Atelier stand. Doch zur endgültigen Ausformung und Aufstellung kam es nicht mehr.

Mit seiner Ehefrau Renate hatte der Künstler eine musikalisch wie künstlerisch hochgebildete Ehefrau, die mit großem Fleiß das Werkverzeichnis ihres Mannes auf den neuesten Stand brachte. Rund 500 Bildhauerarbeiten, von der Medaille über Reliefs bis zum meterhohen Denkmal, hat Rudolf Breilmann geschaffen. Die klare Formensprache des Künstlers, der 1949 sein Abitur am Paulinum ablegte, kristallisierte sich nach einer Steinmetzlehre in einem anfänglichen Architekturstudium in Darmstadt heraus. Das künstlerische Studium führte unter anderem nach Hamburg zu Prof. Erwin Scharff, der ihn maßgeblich beeinflusste und förderte.

Im Jahre 2013 übergab Rudolf Breilmann dem Museum Religio in Telgte eine große Schenkung. 1700 Arbeiten – von Entwürfen und Skizzen bis hin zu großen Skulpturen – gingen damals in den Besitz des Museums über. „Ich fühle mich hier wohl, und ich bin dankbar, dass meine Werke hier einen würdigen Platz finden werden“, sagte Rudolf Breilmann. Mittlerweile befindet sich der Großteil der Werke in den Depots des Religio, teilte die jetzige Museumsleiterin Dr. Anja Schöne mit.

Die geplante Herausgabe eines kompletten Werkverzeichnisses hat Rudolf Breilmann nicht mehr erlebt. Wie Anja Schöne mitteilte, soll aber in Kürze die Arbeit an einem verkürzten Werkverzeichnis beginnen: „Rudolf Breilmann hat ein großes, umfangreiches Werk hinterlassen. Ich denke da nicht nur an die öffentlichen Werke, sondern auch an seine Skizzen und Aquarelle. In vielen Werken hat er auch die Frömmigkeit der Menschen geprägt.“

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