Chelyabinsk Contemporary Dance Theater im Pumpenhaus
Begegnungen und eine Schneewehe

Münster -

„Encounters“ (Begegnungen) beginnt als eine Abfolge von Soli. Tänzerin für Tänzerin betritt die Bühne des Pumpenhauses und stellt sich in ihrem ganz eigenen Stil vor. Bei der ersten sind das weiche, schraubenartige Bewegungen, während die nächste ausgreifende Schritte kultiviert. Eine dritte macht auf ästhetisch und nähert sich so dem Klassischen. Aber jede bleibt dabei ein Wesen für sich, individuell bis in die Zehenspitzen hinein. Selbst dann noch, als alle gleichzeitig auf der Bühne sind. Thema verfehlt?

Sonntag, 28.01.2018, 16:01 Uhr

Sie rollen wie eine Schneewehe über die Bühne: Tänzerinnen und Tänzer des Chelyabinsk Contemporary Dance Theater in der kurzen Choreografie „Silk“ von Riccardo Buscarini.
Sie rollen wie eine Schneewehe über die Bühne: Tänzerinnen und Tänzer des Chelyabinsk Contemporary Dance Theater in der kurzen Choreografie „Silk“ von Riccardo Buscarini. Foto: Evgenia Dunaeva

Mitnichten. Es dauert nur ein bisschen, bis sich die Protagonisten in Olga Ponas Choreografie dem Gegenüber stellen. Und die ersten Begegnungen gestalten sich auch eher zögerlich. Man reagiert aufeinander, aber mehr aus der Ferne. Bis es irgendwann dann doch zu Berührungen kommt. Und von da an scheint ein Damm gebrochen zu sein. In allen möglichen, mitunter höchst komplexen Konstellationen findet jetzt Interaktion statt. Manches wirkt wie ein liebevolles Umgarnen, anderes wie ein misstrauisches Abschätzen. Später kommen Männer ins Spiel und machen auf Macho. Aber nur ein bisschen, nichts, womit frau nicht umgehen könnte.

„Encounters“ hat keine Geschichte, nur ein Thema. Und dieses Thema wird in allen Facetten ausgeschöpft. Es ist eine beeindruckende Vielfalt an Begegnungen, die Olga Pona und das Chelyabinsk Contemporary Dance Theatre hier auf die Bühne bringen. Und ebenso vielfältig sind die Bewegungsmuster, mit denen sie umgesetzt werden. Gegen Ende verlagert sich das Geschehen sogar in die Senkrechte – ermöglicht durch eine große Gitterwand, in der die Tänzer rumturnen und so eine Illusion von Draufsicht erzeugen.

Nach der Pause stand mit „Silk“ noch eine kurze Choreografie von Riccardo Buscarini auf dem Programm, die für den russischen Theaterpreis „Goldene Maske 2018“ nominiert wurde. Hier sieht man die Tänzerinnen und Tänzer in seidigen Gewändern als riesige Schneewehe über die Bühne rollen – ein Gebilde, das sich bald zu einem kompliziert verwobenen Menschengebilde auftürmt und dann wieder beruhigt. Mit seiner meditativen Ästhetik bildet das Stück einen deutlichen Gegensatz zu „Encounters“, überzeugt deshalb aber nicht weniger. Ihm sei es darum gegangen, die Atmosphäre schneebedeckter sibirischer Landschaften tänzerisch umzusetzen, so Buscarini.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5463719?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Terrorhelfer abgeschoben
Abschiebung ins Heimatland: Schwerbewaffnete Polizisten brachten Terrorhelfer Mounir el Motassadeq (M.) von der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel nach Frankfurt. Von dort aus ging es dann für den 44-Jährigen zurück in sein Heimatland Marokko.
Nachrichten-Ticker