„Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace im Pumpenhaus
Noch können wir lachen

Münster -

„Ich bin komplex“ – darauf beharrt er und rattert zum Beweis ein paar philosophische Axiome herunter. Doch keiner aus der Prüfungskommission scheint ihn zu hören.

Donnerstag, 01.02.2018, 19:02 Uhr

Devid Striesow, Ursina Lardi und André Jung (v. l.) gehörten zu dem prominenten Schauspiel-Ensemble, das sich mit Regisseur Thorsten Lensing im Pumpenhaus an die Bühnenadaption des 1500-Seiten-Romans „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace wagte.
Devid Striesow, Ursina Lardi und André Jung (v. l.) gehörten zu dem prominenten Schauspiel-Ensemble, das sich mit Regisseur Thorsten Lensing im Pumpenhaus an die Bühnenadaption des 1500-Seiten-Romans „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace wagte. Foto: david baltzer/bildbuehne.de

„Ich bin komplex“ – darauf beharrt er und rattert zum Beweis ein paar philosophische Axiome herunter. Doch keiner aus der Prüfungskommission scheint ihn zu hören. Macht nichts, denn an der Enfield-Tennisakademie geht es ohnehin nur darum, dass einer Tennis spielen kann. Und darin ist Hal ganz groß. Ursina Lardi spielt ihn mit ausgeprägter Mimik und gewaltigen Plateau-Turnschuhen an den Füßen. Ein weiteres Talent, das Hal auszeichnet, sind Drogen. Aber die werden ihm erst später das Kreuz brechen.

In seiner Bühnenadaption des 1500-Seiten-Romans „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace konzen­triert sich Thorsten Lensing auf die Brüder Hal, Mario und Orin – alle drei ebenso komische wie tragische Figuren. Für das prominent besetze Ensemble war die Vorpremiere im Pumpenhaus ein Fest, bei dem sie zeigen konnten, was sie drauf haben. Und für das Publikum ein pures Vergnügen. Zumindest in der ersten Hälfte, die vornehmlich der Komik gewidmet war.

Platzhirsch ist hier Devid Striesow, der als Football-Star Orin über postkoitale Verzweiflung doziert und sich als emotionsgehemmter Alkoholiker gezwungen sieht, Männer zu umarmen. In einer schreiend komischen Szene tritt er als eine Art Waldnymphe auf und verschafft dem behinderten Mario erotische Sensationen. Dieser wird von André Jung in einer Weise gespielt, die Mitleid und Sympathie gleichermaßen erregt.

Sebastian Bomberg glänzt als Konversationstherapeut und als Vogel, der nach einer Herzattacke eine Notlandung im Whirlpool hinlegt. Jasna Fritzi Bauer entwickelt als Drogensüchtige ein wahres Horrorszenario, während Heiko Pinkowski als Anonymer Alkoholiker in der Selbsthilfegruppe randaliert, was schließlich zu einem grotesken Kampf aller gegen alle führt – eine ebenso witzige wie symbolträchtige Szene, weil sie die Botschaft des Stückes zusammenfasst: Eigentlich ist alles ganz schrecklich, aber noch können wir darüber lachen.

Das ändert sich dann im zweiten Teil, den das Ensemble vornehmlich mit Monologen bestreitet und dabei auch die Komik zurückfährt, sodass sich der Niedergang der Protagonisten weit weniger kurzweilig gestaltet als das Vorhergegangene. Ein bisschen zieht sich die Aufführung dadurch auch, was bei vier Stunden Dauer wahrscheinlich nicht zu vermeiden ist. Doch damit kann man leben. Was nachwirkt ist auf jeden Fall der erste Teil, in dem die Darsteller eine grandiose Show an den Tag legen.

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