Droste-Preisträgerin Sabrina Janesch las aus ihrem neuen Roman
Zwischen Bibliothekenstaub und Dschungelhitze

Münster -

Sie wurde höhenkrank und von Insekten zerstochen, als sie in Peru auf den Spuren jenes Deutschen wandelte, der die sagenumwobene Stadt Machu Picchu (gleichsam „Eldorado“) entdeckte. Ihn, den vergessenen Entdecker Augusto Berns, wollte Sabrina Janesch zum Helden ihres nächsten Romans machen – und war bei der strapaziösen, einjährigen Recherche für ihr schriftstellerisches Vorhaben manchmal kurz vor dem Aufgeben.

Sonntag, 18.02.2018, 16:02 Uhr

Sabrina Janesch las als „Annette-von-Droste-Hülshoff-Preisträgerin“ in der Stadtbücherei.
Sabrina Janesch las als „Annette-von-Droste-Hülshoff-Preisträgerin“ in der Stadtbücherei. Foto: Zinkant

Nun lag der fertige Roman „Die goldene Stadt“ vor der in Münster lebenden Schriftstellerin, die durch Hermann Wallmann vom Literaturverein durchaus schwärmerisch angekündigt wurde: „Sie sehen die Droste-Preisträgerin des Jahres 2017!“ Auch für das schon in etliche Sprachen übersetzte Opus hatte er Superlative parat. Den Vergleich mit Daniel Kehlmann oder Umberto Eco brauche das Buch nicht zu scheuen. Man merkte: Da muss es bildungsbeflissen zugehen – aber andererseits auch spannend. Und Sabrina Janesch changierte bei ihrer lebendigen Lesung zwischen ebendiesen Polen: Bildung und Abenteuer, Bibliothekenstaub und Dschungelhitze.

Der Vergleich mit Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) drängt sich insofern auf, als auch Janesch es sich nicht nehmen lässt, Alexander von Humboldt auftreten zu lassen. Obwohl eine Begegnung mit Augusto (Rudolf August) Berns nicht verbürgt ist. Aber der war ein Bewunderer des berühmten Naturforschers, und so lässt die Schriftstellerin den 16-jährigen Berns 1858 auf Zufallswegen ins Arbeitszimmer des fast 90-jährigen Humboldt gelangen, der dem Alter gerade sein letztes Werk abringt. „Ein Wettlauf mit dem Tod.“ Und er will dem Jungspund die Flausen ausreden: „Eldorado ist ein Wahn!“, urteilt er über die verlorene, sagenhafte Stadt der Inkas. Doch Berns lässt sich von seinem Traum, seiner Passion als Forscher nicht abbringen.

Was Hermann Wallmann zu dem Urteil führt: „Das ist kein historischer Roman, sondern erzählt vielmehr eine literarische Obsession.“ Denn die Autorin lasse ihren Helden Bücher lesen. Wie auch Don Quixote oder Anna Karenina Bücher verschlungen hätten – „und sie wurden alle unglücklich“. Augusto Berns aber war ebenso Glückspilz wie Glücksritter. Und nun auch Romanheld einer 32-jährigen Autorin aus Münster.

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