Die Hölderlin-Lesung „Friedensfeier“
Hymnen an das Göttliche

Münster -

Fünf Monate ist es her, dass sich die Theatergruppe Gloster mit Hölderlin an einen der größten, aber auch schwierigsten Lyriker der deutschen Literatur wagte. Dabei war das nur eine Art Vorspiel. Standen damals ausgewählte Gedichte auf dem Programm, die einen Streifzug durch sein Leben und Schaffen bildeten, waren es am Sonntag große Hymnen, die die vier Rezitatoren im neben*an zu Gehör brachten – unterstützt von Wilhelm Rodenberg am Klavier, der die Matinee mit Bagatellen von Beethoven musikalisch strukturierte.

Sonntag, 25.02.2018, 15:02 Uhr

Lasen Hölderlin: (v. l.) Jiayu Ni, Günter Rohkämper-Hegel, Barbara Kemmler und Carsten Bender.
Lasen Hölderlin: (v. l.) Jiayu Ni, Günter Rohkämper-Hegel, Barbara Kemmler und Carsten Bender. Foto: Helmut Jasny

Von sozialen Utopien und einem Blick in die Zukunft sprach Carsten Bender in seiner kurzen Einführung, nachdem Jiayu Ni mit einem der Prinzessin Amalie von Dessau gewidmeten Gedicht die Lesung eröffnete hatte. Daran schloss Barbara Kemmler mit „Der Einzige“ an, einer längeren Reflexion, die die Götter des Olymp mit dem Christentum in Beziehung setzt und damit zwei Pole im Leben des Dichters definiert.

Bender selbst nahm sich „Patmos“ vor, eine Hymne auf die gleichnamige griechische Insel, in der Hölderlin Symbole und Mythen der Antike sowie des Christentums zum Verschmelzen bringt. Kühne Hoffnungen und das Scheitern an unerreichbaren Idealen bestimmen hier den Ton. „Aber wo Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch“, wie es gleich zu Beginn heißt.

„Friedensfeier“ war die Lesung überschrieben. Und das ist auch der Titel der Hymne, die Günter Rohkämper vortrug. Im Zentrum steht wieder das Göttliche, das mit dem Frieden die Klarheit ins Leben bringt. Aber Hölderlin wäre nicht Hölderlin, wenn er das so stehen ließe. „Und kommen muss zum heil’gen Ort das Wilde“, heißt es ein paar Zeilen später, und alles ist wieder relativ.

Dass Hölderlin keine leichte Kost sei, davor hatten die Rezitatoren gewarnt. Mit ihrem Vortrag ist es ihnen aber gelungen, seine Gedankenwelt näherzubringen.

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