Kammerorchester Nienberge spielte mit Amarilis Duenas Castán
Wie in Mondlicht getaucht

Münster -

Mythen, Monster, Menschen, Götter: In Wolfgang Amadeus Mozarts Dramma per musica „Idomeneo“ feiern antike Antipathien wilde Triumphe, das Schicksal schleudert alle Protagonisten in Extrembezirke des Fühlens, Wollens und (Nicht-)Könnens, jedes Ego baumelt am seidenen Faden.

Montag, 26.02.2018, 20:02 Uhr

Das Kammerorchester Nienberge gab in der Markuskirche ein Konzert.
Das Kammerorchester Nienberge gab in der Markuskirche ein Konzert. Foto: Günter Moseler

Als Thomas Loos das Kammerorchester Nienberge in der Kinderhauser Markuskirche die Idomeneo-Ouvertüre dirigierte, schien sich eher als ein Götterdrama eine Psychologie des Allzumenschlichen zu konturieren: Kammermusikalischer Zugriff des Orchesters relativierten plakatives Drama zugunsten klanglicher Linienführung und Konzentration.

Für Robert Schumanns Cellokonzert a-moll op.129 (ein Spätwerk des Hyperromantikers) wählte die 19-jährige Amarilis Duenas Castán einen lyrischen Ansatz, der virtuose Absichten wie beiläufig exekutierte – vielleicht die zarteste Interpretation dieses rätselhaft introvertierten Stückes, die sich denken ließ. Castáns erster Einsatz nach drei flüsternden Pizzicato-Orchester-Akkorden klang wie in Mondlicht getaucht, rasante Lagenwechsel und exzentrische Rhythmik entzogen sich jeglicher aufrührerischen Geste. Derart verwandelte sich das Stück in reinste Nachtmusik, auch weil das Orchester der schwärmerisch entrückten Bogenführung der Solistin noch bis ins Tutti hinein folgte. Die Durchführung vermied das Kämpferische, die Reprise demonstrierte hingebungsvollen Schwung. Eine Darstellung, die programmatisch noch in den figurativen Skalen und Doppelgriffen des Finales („Sehr lebhaft“) dem radikalen Überschwang auswich. Lebhafter Beifall und eine Bach-Zugabe: ein Tanz bei Halbmond.

Der Beiname „Die Uhr“ für Joseph Haydns Sinfonie Nr. 101 D-Dur täuscht: Alles in dieser Musik tanzt aus der Reihe. Der theatralische „Adagio“-Beginn in d-moll wirkte fast erhaben, das folgende „Presto“ nicht allzu halsbrecherisch, besonders die Streicher bewiesen hier präzisen und homogenen Ton. Haydns gelehrter und doch eleganter kontrapunktischer Satz, motivische Tricks und Finessen inklusive Stretta-Brio der sorgfältig einstudierten Partitur kamen hörbar zur Geltung. Die Charaktere der einzelnen Sätze wurden dezent ausgespielt: Der Kopfsatz glänzte mit seinen imperativen Gesten, die Uhr im „Andante“ hätte nicht pointierter schlagen können, das Menuett war eines Königs würdig, und dem Finale schlug in Minutenschnelle das letzte Stündlein – sinfonischer Vollmond. Herzlicher Beifall.

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