Maura Morales tanzt „Überfluss des Nichts“ im Pumpenhaus
Zurück zu den kubanischen Wurzeln

Münster -

Am hinteren Bühnenrand sitzt sie im Schaukelstuhl – ein kleines Mädchen, das sich langweilt. Der Stuhl ist so groß, dass sie bequem darin herumturnen und mit den Beinen Figuren in die Luft zeichnen kann. Auf einer Leinwand sieht man das Meer an den Strand rollen, während aus den Lautsprechern Stimmengewirr dringt und das Brummen alter Achtzylinder zu hören ist.

Sonntag, 11.03.2018, 17:03 Uhr

Das Mädchen kehrt immer wieder in den großen Schaukelstuhl zurück: Maura Morales präsentierte im Pumpenhaus ihre Tanzproduktion „Exceso de la nada“ – Überfluss des Nichts“.
Das Mädchen kehrt immer wieder in den großen Schaukelstuhl zurück: Maura Morales präsentierte im Pumpenhaus ihre Tanzproduktion „Exceso de la nada“ – Überfluss des Nichts“. Foto: Klaus Handner

Mit diesem Kuba-Bild eröffnet Maura Morales im Pumpenhaus ihr Tanztheater „Exceso de la nada – Überfluss des Nichts“. Es wirkt ein wenig klischeehaft, wie die Tänzerin hier ihre Heimat darstellt. Aber in jedem Klischee steckt auch ein bisschen Wahrheit. Kafka hatte Prag mal als „Mütterchen mit Krallen“ bezeichnet, das ihn nicht loslasse. So kann man sich auch Morales’ Verhältnis zu Kuba vorstellen. Immer wieder verlässt sie in der einstündigen Aufführung ihren Schaukelstuhl. Und immer wieder kehrt sie zu ihm zurück.

Der erste Versuch fällt eher kläglich aus. Sie steht auf und will gehen, aber die Füße kleben am Boden fest. Beim nächsten Mal windet sie sich tanzend aus dem Stuhl. Das scheint zu funktionieren. In immer freieren Bewegungen erobert sie dann die Bühne. Salsa und Rumba bestimmen die Gangart, abgemischt mit Modern Dance, Hip-Hop und einer Prise Michael Jackson. Auch Marschmusik und kämpferische Posen kommen vor, dann ein klagender Schrei, Bilder von Castros Sarg und den trauernden Menschenmassen am Straßenrand. Kuba ist ein Land mit vielen Gesichtern, das macht Morales tänzerisch deutlich. Virtuos bewegt sie sich durch Stile und Stimmungen, ohne dass man sie festlegen könnte. Was leicht und unbekümmert wirkt, trägt auch eine Spur Melancholie in sich. Mit offenen Armen tanzt sie auf das Publikum zu, ein strahlendes Lächeln im Gesicht, wie man es für Touristen bereithält. In einer anderen Szene verhüllt sie ihren Kopf mit einem Vorhang, will nichts sehen und nicht gesehen werden.

Mit „Exceso de la nada“ ist Maura Morales nicht nur ein überaus beeindruckendes Kuba-Porträt gelungen, sondern auch eine differenzierte Auseinandersetzung mit ihren Wurzeln. Und die scheinen stark zu sein. Am Ende zeigt ein Video, wie sie im Schaukelstuhl plaudernd und lachend auf der Straße sitzt.

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