Mozart-Orchester in der Erlöserkirche
Mit Verve durch düstere d-Moll-Welten

Münster -

Nicht nur Chöre profitieren von der guten Akustik der Erlöserkirche, deren Holzdecke für klangliche Wärme sorgt, ohne die Musik in Hallfluten zu vernebeln. Auch das Mozart-Orchester Münster fand hier am Donnerstag die rechte Heimstatt.

Freitag, 16.03.2018, 20:03 Uhr

Anastasia Goldberg interpretierte das Konzert mit Verve.
Anastasia Goldberg interpretierte das Konzert mit Verve. Foto: zin

Nicht nur Chöre profitieren von der guten Akustik der Erlöserkirche, deren Holzdecke für klangliche Wärme sorgt, ohne die Musik in Hallfluten zu vernebeln. Auch das Mozart-Orchester Münster fand hier am Donnerstag die rechte Heimstatt, um ein Prachtwerk seines Namenspatrons zu spielen: das legendäre Klavierkonzert Nr. 20, das wegen seines fast beethovenschen Brios verblüfft und jede Rokoko-Tändelei mühelos aus den Angeln hebt. Es entführte die Mozart-Verehrer einmal mehr in jene düsteren d-Moll-Welten, die auch des Meisters „Don Giovanni“ oder sein Requiem definieren. Moderator Stephan Schulze klärte in gewohnter Lockerheit darüber auf.

Zum Glück hatten das Orchester und sein Dirigent Norbert Fabritius eine exzellente Pianistin eingeladen: Anastasia Goldberg. Wie sie das Konzert mit Verve, vor allem aber klassizistischer Klarheit interpretierte, das hatte geradezu Referenzcharakter. Keine „romantischen“ Drücker, kein üppiger Klangschaum im Pedal, kein neckischer Rokoko-Zierrat in der rechten Hand. Stattdessen völlig natürliche Ausgestaltung der Partitur. Mozart pur und sonst nichts. Da zogen die dramatisch wühlenden Streicher hingerissen mit. Das klang beinahe schon nach Marmorglanz, wenn nicht der Bösendorfer im höhertonigen Bereich leicht geklirrt hätte.

Zu Beginn hatten die Mozart-Streicher ihre Bögen an einer modernen Partitur gewetzt: „Statuette für Kammerorchester“ (1986) von Thorsten Schmid-Kapfenburg, seines Zeichens zweiter Kapellmeister des städtischen Sinfonieorchesters. Dass er farbige, attraktive Musik schreiben kann, ist bekannt. Dieses Stück nun war die schwärmerische Hommage eines 19-Jährigen an seine Hausgötter: Bartók, Mahler oder Stockhausen. Da läuten die Herdenglocken aus Mahlers Siebter mit Bartóks Pizzicato-Stacheln um die Wette, bis sie atmosphärisch bei Kubricks „Shining“ landen, wo Bartóks „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ auf dem Soundtrack erklingt. Trotz aller ironischen Distanz, die sich in 30 Jahren entwickelt haben könnte – Schmid-Kapfenburg mag sein Stück immer noch und freute sich sichtlich über die gute Darbietung.

Bleibt Joseph Haydns „Uhr“ – wie der inoffizielle Spitzname der Sinfonie Nr. 101 lautet. Dem humorigen „Ticken“ im Andante sei Dank. Wie so oft ist Haydns Streichersatz höchst fein ziseliert; eine Herausforderung für das Laienorchester, das sich insbesondere mit kernigem Blech und ebensolchen Pauken bewährte. In den tänzerischen Sätzen wahrlich ein Haydn-Spaß.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5596152?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Ein Bauer fährt zwei Trecker
Umrahmt von modernen Traktoren entwickelten Fachleute wie Günther H. Oettinger und Julia Klöckner Visionen für die Landwirtschaft der Zukunft.
Nachrichten-Ticker