Bühnencomic für Erwachsene im Pumpenhaus: „Kafka in Wonderland“
Mikrowelle beansprucht Sorgerecht

Münster -

„Die einzige Gewissheit im Leben ist der Tod.“ Das sagt der Vater zu seinen Kindern, bevor er die Augen schließt und stirbt. Bei der Düsseldorfer Theatergruppe „half past selber schuld“ ist diese Eröffnungsszene eine Reminiszenz an eine Zeit, die es schon lange nicht mehr gibt.

Donnerstag, 22.03.2018, 17:03 Uhr

Das Theater aus Düsseldorf zeigte im Pumpenhaus seine Comic-Produktion über die Zukunft Das Theater aus Düsseldorf zeigte im Pumpenhaus seine Comic-Produktion über die Zukunft.
Das Theater aus Düsseldorf zeigte im Pumpenhaus seine Comic-Produktion über die Zukunft Das Theater aus Düsseldorf zeigte im Pumpenhaus seine Comic-Produktion über die Zukunft. Foto: half past selber schuld

„Die einzige Gewissheit im Leben ist der Tod.“ Das sagt der Vater zu seinen Kindern, bevor er die Augen schließt und stirbt. Bei der Düsseldorfer Theatergruppe „half past selber schuld“ ist diese Eröffnungsszene eine Reminiszenz an eine Zeit, die es schon lange nicht mehr gibt. „Kafka in Wonderland“ spielt im Jahr 2053, und da hat man antiquierte Angelegenheiten wie Sterben längst überwunden. Wenn das Leben zu Ende geht, lädt man sein Bewusstsein in die Cloud hoch, wo es auf ewig gespeichert wird. Oder zumindest so lange, wie die Nachkommen die monatliche Gebühr für den Server bezahlen.

Es ist eine geistreiche und ironisch gut unterfütterte Zukunftsvision, die die Düsseldorfer im Pumpenhaus auf die Bühne bringen. Dass hier statt Schauspielern alle Arten von Puppen am Start sind, macht die Sache sogar noch interessanter. Da ist beispielsweise Karl, das selbstfahrende Auto – ein ziemlich cool aussehendes Gefährt, das in ein moralisches Dilemma gerät, wenn es wegen versagender Bremsen entscheiden muss, welchen Fußgänger es überfährt. Absolution wird ihm am Ende durch die Programmierung erteilt, für die es ja nicht verantwortlich ist.

Ermöglicht wird die schöne neue Welt von einer Firma namens Wonderland Inc. In ihr tummeln sich allerlei skurrile Wesen, die als Hand- oder Körperpuppen geführt werden. Wie eine Mischung aus Riesenspinne und Panzer wirkt ein autonomes Waffensystem, das künstlerische Ambitionen entwickelt und seine Feinde mit selbst gemachter Lyrik quält, bevor es sie eliminiert. Wie ein Fertiggericht ist das „Instant-Baby“ verpackt, das ein Ehepaar von der heimischen Mikrowelle ausbrüten lässt. Dass das Küchengerät dann Sorgerecht für das Kind beansprucht, muss als Systemfehler gewertet werden.

Solche Systemfehler kommen im Wonderland immer wieder vor, wie ein Nachrichtensprecher erklärt, der direkt der Muppet Show entsprungen sein könnte. Mit seinen eloquent vorgetragenen Katas­trophenmeldungen bildet er einen wirksamen Gegenpol zur Zukunftseuphorie des Restpersonals. Ebenfalls für Komik sorgen die Werbespots im Stil der 50er Jahre und die Gesangseinlagen, mit denen die Darsteller das Puppenspiel in Richtung Musical treiben. Eine gelungene Inszenierung, die aktuellen Zukunftsvisionen mit einer gehörigen Portion Ironie zu Leibe rückt und immer weniger überzogen wirkt, je länger man darüber nachdenkt.

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