Stummfilm-Konzert mit Tänzern von „This honourable fish“
Stimmiges Kunstwerk aus Bildern und Tönen

Münster -

Das Meer rollt ans Land. Am Strand liegt eine Frau und blickt zum Himmel, an dem Vögel ihre Kreise ziehen. Denn klettert sie durch das Wurzelwerk eines umgestürzten Baumes und landet in einem Festsaal, in dem wichtige Männer an langen Tischen sitzen und wichtige Dinge besprechen. Auf ihrem Weg über einen der Tische findet sie ein Schachspiel, das sie in wieder eine andere Welt entführt. Zusammen mit einem jungen Mann läuft sie jetzt durch den Wald und verschwindet in einer Hütte, in der ein Toter liegt, den sie so lange anstarrt, bis er die Augen öffnet.

Sonntag, 08.04.2018, 16:04 Uhr

Kommentierten den Stummfilm musikalisch: Helmut Buntjer an der Posaune und Anja Kreysing am Akkordeon.
Kommentierten den Stummfilm musikalisch: Helmut Buntjer an der Posaune und Anja Kreysing am Akkordeon. Foto: Emmerich

„At Land“ heißt der 15-minütige Stummfilm, den die amerikanische Tänzerin und Avantgarde-Filmerin Maya Deren 1944 gedreht hat und der am Freitag in der Wildwuchs-Veranstaltung „transfigured times“ zu sehen war. Es sind surreal anmutende Bilder, die im Pumpenhaus über die Leinwand flimmern. Und nicht weniger surreal muten die Töne an, mit denen das Duo „the honourable fish“ den Film begleitet. Oder man sollte besser sagen: auf den Film reagiert? Denn Helmut Buntjer an der Posaune und Anja Kreysing am Akkordeon entwickeln eine durchaus eigene Sprache, die dem optischen Erleben ein akustisches entgegensetzt.

Alte Stummfilme und neue Musik, das ist eine bewährte Kombination. Mit Alice Cerrato und Antonio Rusciano kommt noch ein weiterer Aspekt ins Spiel. Die Tänzerin und der Tänzer haben sich vor der Leinwand platziert, sodass ihre Körper zu einem Teil der Projektionsfläche werden. Auch sie reagieren – auf die Bilder, auf die Musik oder auf etwas, das beides in ihnen auslöst? Man kann es nicht genau sagen. Es ist auch schwer, die drei Aspekte Bild, Ton und Tanz als Einzelphänomene wahrzunehmen. Besser man hält sich an das Ganze, das bekanntlich mehr ist als die Summe seiner Teile. Und so verhält es sich auch hier. Man kann durchaus von einem Gesamtkunstwerk sprechen.

Neben Filmen von Maya Deren stand Hans Richters „Filmstudie“ aus dem Jahre 1926 auf dem Programm. Der deutsche Maler und Dadaist treibt das Surreale ins Abstrakte, wenn er zum Beispiel geometrische Figuren tanzen und Augäpfel durch den Raum schweben lässt. Auch für dieses frühe cineastische Experiment fanden Tanz und Musik stimmige Reaktionen.

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