Ausstellung „Die Sprache der Glocken – Suche Frieden“
„Was das für eine Hitze ist“

Münster -

Rot- und Brauntöne dominieren. Die wabernde Hitze, die beim Glockenguss entsteht, schlägt dem Betrachter nahezu entgegen. „Ich wollte das Glühende rausbringen“, sagt Malerin Gudrun Issel aus Gescher. Ihre Gemälde sind Teil der Ausstellung „Die Sprache der Glocken – Suche Frieden“ in der Torhaus-Galerie.

Donnerstag, 12.04.2018, 17:04 Uhr

Neben Fotografien von Hendrik Sonntag sind diese Gemälde von Gudrun Issel in der Torhaus-Galerie zu sehen.
Neben Fotografien von Hendrik Sonntag sind diese Gemälde von Gudrun Issel in der Torhaus-Galerie zu sehen. Foto: Jacqueline Beckschulte

Rot- und Brauntöne dominieren. Die wabernde Hitze, die beim Glockenguss entsteht, schlägt dem Betrachter nahezu entgegen. „Ich wollte das Glühende rausbringen“, sagt Malerin Gudrun Issel aus Gescher. Ihre Gemälde sind Teil der Ausstellung „Die Sprache der Glocken – Suche Frieden“ in der Torhaus-Galerie – eine Zusammenarbeit des Stadtheimatbundes, des Westfälischen Glockenmuseums Gescher und des Arbeitskreises „Glocken“ im Westfälischen Heimatbund. Anlass ist der Katholikentag, der unter dem Motto „Suche Frieden“ steht. „Glocken sind seit jeher ein Symbol des Friedens“, erklärt Ursula Warnke (Vorsitzende des Stadtheimatbundes): „Also passt diese Ausstellung gut zur Friedensstadt Münster und der Glockenstadt Gescher.“

Fotografien und Gemälde dokumentierten die Geburtsstunde der Glocke, wie es Dr. Hen­drik Sonntag (Leiter des Westfälischen Glockenmuseums Gescher) beschreibt. Schauplatz ist die Glocken- und Kunstguss-Manufaktur „Petit & Gebr. Edelbrock“ in Gescher. Die Dokumentation setzt in dem Moment ein, als das Material im Schmelzofen flüssig gemacht wird. Die monatelange Vorbereitung – ausarbeiten des Klangs, modellieren der Form –, all das wird ausgespart. Das Hauptaugenmerk der Ausstellung liegt auf dem Glockenguss selbst.

Bei 1200 Grad wird die Bronze eingeschmolzen. „Sie können sich vorstellen, was das für eine Hitze ist“, sagt Museumsleiter Sonntag. Neun Tonnen flüssiges Material können auf einmal verarbeitet werden. Daraus können unterschiedlich viele Glocken in einem Vorgang gegossen werden. Sobald das Material flüssig ist, wird ein Pfropfen, der den Ofen verschließt, hinein geschlagen (wie ein Weinkorken in die Flasche). Nun kann die Bronze durch Rinnen zu den einzelnen Glockenformen fließen, die in den Boden eingelassen sind. Mithilfe von Absperrungen wird gesteuert, welche Form zuerst gefüllt wird. „Die größte Glocke befindet sich immer direkt vor dem Ofen, damit sie mit dem meisten Material versorgt wird“, erklärt Sonntag.

Das letzte Foto der Ausstellung zeigt einen geschlossenen Ofen und abgedeckte Rinnen. Der Guss-Prozess ist beendet, und die Glockengießer müssen warten, bis alles erkaltet ist. Erst nach drei Monaten können sie kontrollieren, ob das Ergebnis zufriedenstellend ist. Gegossen wird in Gescher jeden Freitag um 15 Uhr.

„Ich habe begonnen, schöne Ecken in Gescher zu malen und bin auf die Glocken gestoßen“, erklärt Issel. Ihre ausgestellten Gemälde stammen aus den Jahren 2007, 2008 und 2009. Sie ergänzen die Fotodokumentation von Dr. Hendrik Sonntag. „Ich wollte Feuer, Klang und Farbe einbringen, und Gefühle“, sagt die Künstlerin.

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Die Ausstellungseröffnung ist am Sonntag (15. April) um 11 Uhr in der Torhaus-Galerie, Neutor 2. Geöffnet ist bis zum 13. Mai montags bis freitags 10 bis 12.30 Uhr. Während des Katholikentages vom 10. bis zum 12. Mai ist die Torhaus-Galerie von 11 bis 17 Uhr geöffnet: Bei der Gelegenheit wird ein Friedensbuch ausgelegt. Besucher haben die Möglichkeit, ihre Friedensbotschaft zu hinterlassen. Und der Arbeitskreis „Glocken“ informiert über seine Arbeit.

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