Crossover-Konzert des Sinfonieorchester mit Nils Landgren
„Maria“ mit schier endlosem Atem

Münster -

Crossover: Das ist in der Musik seit einiger Zeit ein Spiel ohne Grenzen. In diesem Karussell der musikalischen Stile wirkt die Klassik wie ein Straßenkreuzer, der nur zu Sonntagfahrten taugt, ansonsten aber in der Garage steht und auf Hochglanz poliert wird. Im 20. Jahrhundert steigt das Verkehrsaufkommen beträchtlich – und schon fädelt sich die Klassik in den ordinären Alltagstrubel ein. Nicht zufällig warfen alle Granden der klassischen Moderne ein Auge auf den Jazz, der eine nagelneue Milchstraße der Musik etablierte.

Montag, 23.04.2018, 14:04 Uhr

Nils Landgren (l.) ließ beim Sonderkonzert Crossover des Sinfonieorchesters vier Posaunen und eine Tuba einen heroischen Begräbnismarsch intonieren.
Nils Landgren (l.) ließ beim Sonderkonzert Crossover des Sinfonieorchesters vier Posaunen und eine Tuba einen heroischen Begräbnismarsch intonieren. Foto: Günter Moseler

Im „Sonderkonzert Crossover“ des Sinfonieorchesters Münster unter Golo Berg im Landesmuseum war es der schwedische Jazz-Posaunist und Sänger Nils Landgren , der die konzertante Kreuzung mit klassischer Musik riskierte. Denn als unfallfreie Zone kann kein Stilmix gelten.

Musik von Bernstein und Weill – leider kein Gershwin, der Grenzgänger par excellence – dominierten die Szene. In der Eröffnungsfanfare blieben Spurenelemente der berühmten Arie „Maria“ aus Bernsteins genialer „West ­Side Story“ unüberhörbar. Alle haltlose Teenager-Sehnsucht war zum Teufel, kaum dass Jazzvariationen das Thema in seine Einzelteile zerlegten: Plötzlich war schluchzende Leidenschaft von einem Drive erfasst, der alle Rettung in der Zukunft sah anstelle fiebernder Kontemplation. Landgren schien als primus inter pares, der das Thema, Motive und Motivsplitter des Welthits „Maria“ mit schier endlosem Atem durch die Posaune quirlte. Auch das zur kitschigen Schlagseite tendierende „Somewhere“ wurde aus allzu trüben Visionen erlöst und wich einer in lichtere Gefilden abhebenden Atmosphäre, die sich maßgeblich Landgrens agilem Kavalierbariton und nuanciertem Vortrag verdankte.

Lisa Wulff am Kontrabass – und mit einem lupenreinen Sopran gesegnet – sowie der Pianist Eric Staiger erwiesen sich als Ensemblemitglieder, die den Vorlagen virtuos improvisierte Interaktionen beimischten. „Posaune und Tuba ist die schönste Abteilung im Orchester“, hatte Landgren verkündet und ließ eine Elefantenrunde von vier (!) Posaunen plus Tuba einen heroischen Begräbnismarsch absolvieren. In Kurt Weills „Septembersong“ – mit Solokadenz für die Posaune bis ins schwärzeste Kellerregionen – und „Speak low“ bewies das Orchester seine Versiertheit im lässigen Swing­style, ohne an Präzision und Eleganz zu verlieren. Der finale „Balkan-Blues“ klang wie eine „Ramba-Zamba“-Rumba, mit der das Publikum beschwingt einen „Summertime“-Tango in die laue April-Sommernacht hätte antreten können. Begeisterung überall!

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