Museum für falsche Entscheidungen am Hawerkamp eröffnet
Irrige Lieben und Münster als Erlösung

Münster -

Vor bald 30 Jahren sangen Salt-N-Pepa „Let’s Talk About Sex“ gegen letzte Tabus im freien Amerika. Die Kunstakademie geht noch weiter: „Let’s Talk About Fails“. Die Klasse Buetti fordert die Welt auf, „Überwinde Deine Peinlichkeit“, und eröffnet dafür eigens ein „Museum der falschen Entscheidungen“. Das wird in der Ausstellungshalle am Hawerkamp eröffnet, und die ersten „Exponate“ haben es in sich . . .

Mittwoch, 25.04.2018, 18:04 Uhr

Mitglieder der Klasse Buetti (v.l.: Sebastian Liebl, Luisa Kömm und Sarel Debrand-Passard) stellten die ersten Ausstellungsstücke des Museums für falsche Entscheidungen vor.
Mitglieder der Klasse Buetti (v.l.: Sebastian Liebl, Luisa Kömm und Sarel Debrand-Passard) stellten die ersten Ausstellungsstücke des Museums für falsche Entscheidungen vor. Foto: Gerhard H. Kock

Jasmin berichtet vom Verrat eines begehrten Jungen, der ihr Liebes-Geständnis der gesamten Jahrgangsstufe zukommen ließ. Durch diese Demütigung musste die 16-Jährige die achte Klasse wiederholen. Und das ist noch harmlos: Weil Mario leicht angetrunken war, fürchtete der Autofahrer die Polizei, es kam zur Flucht und einem Missverständnis, an dessen Ende zwei Polizisten starben. Dem 31-Jährigen droht jetzt eine Gefängnisstrafe. Da ist der Totalschaden vergleichsweise harmlos, den Pascal auf der Autobahn verursacht hat, weil der 23-Jährige wegen seiner höchst eifersüchtigen Freundin „neben der Spur“ war.

Neben solch dramatischen Fehlentscheidungen gibt es aber auch den Fehlkauf eines dann wütend weggeworfenen Parfüms, das nun die gesamte Wohnung „verpestet“. Oder die kindliche Faulheit zum Zähneputzen, die mit Mitte 20 nun zu drei Wurzelbehandlungen führt. Vom kleinsten Fauxpas bis zu den Leichen im Keller ist fast alles dabei. Jemand berichtet, zwei Mal das falsche Studium und die falsche Stadt gewählt zu haben, bis endlich Münster die „richtige Entscheidung“ war.

Es lägen bislang 40 Text-Beiträge vor sowie ungefähr zehn Objekte, so Luisa Kömm (Klasse Buetti). Da kann ein unbeschriebener Papierfetzen für eine dramatische Liebesgeschichte stehen oder ein Feuerzeug für eine Familientragödie. Hinter Hanteln, Pool-Nudeln, Arm-Gipsschiene, Autolicht, Video oder Fotografie stecken Entscheidungen, die sich als falsch herausgestellt haben oder hinterher so bewertet wurden. Die Geständnisse und Eingeständnisse von Fehlentscheidungen sollen durchaus Erleichterung bringen, aber so Sarel Debrand-Passard: „Absolution können wir nicht erteilen.“ Sebastian Liebl ergänzt: „Einigen wollen auch keine, sondern setzen sich lieber den Situationen immer wieder aus.“

Das Museum will Kontaktort zum Austausch weniger für Loser denn für die Ehrlichen sein. Es verspricht absolute Diskretion und bietet an, die Beiträge auf Wunsch anonym zu veröffentlichen. Online oder analog per Post können noch mindestens ein Jahr lang falsche Entscheidungen in Form von Objekten, Fotos und anderen Beweisstücken eingesandt werden.

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Das Museum wird am Freitag (27. April) in der Ausstellungshalle Hawerkamp, Am Hawerkamp 31, eröffnet. Geöffnet ist bis 20. Mai an den vier Wochenenden samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie zusätzlich am 1. Mai. | www.falscheentscheidung.de

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