Auftakt der Klangzeit-Konzerte mit „Heaven and Earth Magic“
Musik zu Melone und Zahnschmerzen

Münster -

Seit Donnerstag stehen die Türen offen für zeitgenössische Musik. Das ist in diesem Fall sogar wörtlich zu nehmen, denn die „Klangzeit 2018“ will Räume erkunden – reale Räume und Räume aus Klang, sicher auch Spielräume für Unerhörtes. In dieser Hinsicht sind Florian Walter, Erhard Hirt und Ross Parfitt sozusagen mit der Tür ins Haus gefallen, als sie am Donnerstagabend im Pumpenhaus die Festivaleröffnung präsentierten.

Freitag, 25.05.2018, 18:28 Uhr

Erhard Hirt, Florian Walter und Ross Parfitt (v. l.)
Erhard Hirt, Florian Walter und Ross Parfitt (v. l.) Foto: cws

Die Bühne wurde dort sowohl zum Kino als auch zum Experimentalstudio für Musik, die noch niemand kannte und auch nie mehr wieder so hören wird. Sprich: das Trio Walter/Hirt/Parfitt improvisierte. Eine gute Stunde lang. Zu einem Film, der ebenso skurrile Züge trägt wie das Leben seines 1991 gestorbenen Schöpfers Harry Everett Smith. Um Himmel und Erde geht es da, und um eine Frau mit Zahnschmerzen. Auch eine Wassermelone spielt eine Rolle. Außerdem schlängeln sich noch jede Menge andere merkwürdige Figuren durch diesen Streifen des amerikanischen Künstlers – alles in Schwarz/Weiß und in einer dem Scherenschnitt ähnlichen Trickfilm-Ästhetik.

Was uns „Heaven and Earth Magic“ (1957) sagen will? Auf diese Frage hätte Smith vermutlich selbst nicht genau antworten können. Es ist halt eine völlig surreale Angelegenheit, die beim Betrachter durchaus lebhafte Fantasie anregen kann. Bei dem musizierenden Trio sowieso. E-Gitarre, Live-Elektronik, Perkussion und diverse Blasinstrumente – dies ist der Fundus, aus dem heraus sich wahre Klang-Orgien entwickelten. Oder intime, stille Töne. Die Bandbreite dazwischen war riesig und zeitigte mitunter überraschende Klangfarben, etwa wenn Perkussionist Ross Parfitt mit allerlei Sachen schabend und scharrend über den Boden robbte. Oder Florian Walter seinem Hechtyphon, einem Blechblasinstrument mit gleich drei (!) Schallbechern, einen Schluck Wasser verabreichte und es anschließend munter gurgeln ließ. Man staunt. Auch über Erhard Hirt und seinen vom Film inspirierten und den Hörer inspirierenden Umgang mit Gitarren wechselnder Couleur.

Leicht zu konsumieren war dieses Eröffnungsprogramm nicht, aber spannend allemal. So wie hoffentlich all die kommenden Klangzeit-Tage in wechselnden (Klang-)Räumen.

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