Klangzeit-Konzert im Foyer des LWL-Museums
Ruppige Töne im Raum verteilt

Münster -

Für die drei Werke, die am Montag im Rahmen der „KlangZeit 2018“ uraufgeführt wurden, war das lichtdurchflutete Foyer des LWL-Museums der perfekte Raum. Weil man die Musik in ihm nachgerade „inszenieren“ konnte. Weit voneinander entfernt standen die Instrumentalisten, die Jeffrey Ching begleiteten, während dieser Berichte von William Chambers’ Exkursionen zu chinesischen Gärten verlas. „Carl Philipp Emanuel in the Gardens of China“ heißt Chings dreiviertelstündiges Stück, das einen asiatisch-europäischen Brückenschlag versucht unter Einbeziehung einiger Klavierfantasien von C. P. E. Bach (Nino Sakaadze), zu denen die Sopranistin (Andión Fernández) Romanausschnitte von Cao Xueqin sang. Wer Chings Musik- und Text-Collage wirklich durchdringen wollte, musste allerdings über gute „florale“ oder „botanische“ Englischkenntnisse verfügen!

Dienstag, 05.06.2018, 19:00 Uhr

Inszeniert wurde die Musik im LWL-Foyer von den weit auseinanderstehenden Instrumentalisten.
Inszeniert wurde die Musik im LWL-Foyer von den weit auseinanderstehenden Instrumentalisten. Foto: cws

Valerio Sannicandro beschränkt sich in seinem neuen Stück „Kern“ auf sechs unterschiedlich positionierte Instrumentalisten und erkundet die Wirkung von deren Klängen im Raum. Dabei schreckt er nicht vor extremen, ja ruppigen Tönen zurück, lässt die Klarinette überblasen, die Posaune jaulen und den Kontrabass frech kratzen. Da entstehen immer wieder interessante Effekte, die in den Ohren des Zuhörers quasi für ein dreidimensionales Erleben sorgen: purer Surround-Sound sozusagen.

Dasselbe intendiert auch Shih, der österreichisch-taiwanesische Komponist, der in Münsters Neuer-Musik-Szene seit Jahrzehnten gut bekannt ist. Sein neues, von Werner Raabe dirigiertes Werk „Wolken und Wellen“ hinterließ den wohl stärksten Eindruck. Das mag an der doch großen Ruhe liegen, die diese sinnliche Musik ausstrahlte, auch wenn sie nicht auf diverse Ausbrüche verzichtete. Ein Gedicht von Rabindranath Tagore liegt ihr zugrunde, von einem Kinderchor und einem gemischten Chor formuliert. Im ganzen Foyer bis hinauf in die zweite Etage verteilt waren die Interpreten, das Publikum war eingeladen, sich frei durch den Raum spazierend zu bewegen, was überraschende Hörerfahrungen zeitigte. In Sachen Koordination war diese Uraufführung ganz gewiss eine Meisterleistung. Shih zeigte sich tief beeindruckt, das Publikum auch.

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