Überraschende Hör-Eindrücke im Pumpenhaus
Umherlaufen und Schalltrichter stopfen

Münster -

Diesmal waren es nicht die Zuhörer, sondern die Musiker selbst, die während ihres Spiels umherlaufen sollten. Wobei der Komponist Peter Eötvös (dessen Oper „Angels in America“ erst jüngst im Theater inszeniert worden ist) dieses Umherlaufen genau festgelegt hat.

Sonntag, 03.06.2018, 16:02 Uhr

Das münstersche Ensemble „consord“ mit seinem Dirigenten Chatschatur Kanajan tastete sich im Pumpenhaus in neue und alte Klangwelten vor.
Das münstersche Ensemble „consord“ mit seinem Dirigenten Chatschatur Kanajan tastete sich im Pumpenhaus in neue und alte Klangwelten vor. Foto: Schulte im Walde

Für „Brass. The Metal Space“ braucht Eötvös sieben Blechbläser und zwei Schlagzeuger. Diese sorgten am Freitag beim KlangZeit-Festival im Theater im Pumpenhaus für überraschende Hör-Eindrücke, etwa wenn sie sich um ihre eigene Achse drehten oder die Schalltrichter ihrer Instrumente „verstopften“, indem sie sie auf die Hauswand oder den Bühnenboden aufsetzten. Viele kleine Klang-Aktionen summierten sich da zu einem Ganzen für Ohren und Augen gleichermaßen.

Ein Ganzes hat auch Georg Friedrich Haas in seinem „Einklang freier Wesen“ im Sinn, belässt aber jedem der zehn Akteure des Ensembles „consord“ seine je eigene Individualität. So wie es in einer in diesem Werk antizipierten „idealen Gesellschaft“ sein könnte. Die musikalische Harmonie entsteht nur gemeinsam, den eigenen Beitrag dazu gestaltet man individuell, wobei Dirigent Chatschatur Kanajan den Zeittakt vorgibt, mehr nicht.

Ganz anders der 2006 verstorbene Amerikaner James Tenney in seinem Stück „Form 1“ mit weitgehend liegenden, sich ineinander- schiebenden Klängen. Die kommen aus allen möglichen Richtungen, mal von rechts, mal von links, mal von vorn oder von hinten. Und sind geprägt von einem sedierenden Charakter, was hier aber gar nicht abwertend gemeint ist. „Raumklang“ evoziert diese Höhen und Tiefen auslotende Musik allemal.

Schließlich noch „Octandre“ von Edgar Varèse – ein fast hundert Jahre alter Klassiker der Moderne, mit dem sich das münstersche Ensemble consord einmal mehr als exquisiter Protagonist auch der „alten“ Neuen Musik präsentierte.

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