„Sadness Quartet“: Tanz im Pumpenhaus
Mit dem Wunsch nach Nähe

Münster -

Nackt wie Gott sie geschaffen hat, betreten sie die Bühne – drei Männer und eine Frau. Allerdings muss man sich den Gott hier griechisch vorstellen. Weder paradiesisch noch christlich muten die Bewegungen an, mit denen der kanadische Choreograf Daniel Léveillé sein „Sadness Quartet“ im Pumpenhaus eröffnet. Eher erinnert das Tableau an einen Aktzeichenkurs aus der Antike. Dazu trägt auch die Beleuchtung bei, die jeden Muskel der Tänzer aufs Feinste herausarbeitet, sodass sie auch als Statuen ein gutes Bild abgeben könnten.

Sonntag, 10.06.2018, 16:04 Uhr

Das Quartett erprobt Bewegungsmuster – doch die vier Tänzer lassen sich auch aufeinander ein.
Das Quartett erprobt Bewegungsmuster – doch die vier Tänzer lassen sich auch aufeinander ein. Foto: Denis farley

Tun sie aber nicht. Denn hier geht es um Tanz. Und der beginnt mit einer festgelegten Abfolge von Sprung, Drehung, Abrollen, seitlichem Weggrätschen und Rückkehr in die Ausgangsstellung. Jeder der vier absolviert diese Übung einmal. Damit sind die Zeichen gesetzt für die restliche Stunde. Léveillé – und das war auch in früheren Arbeiten schon spürbar – setzt weniger auf Dynamik, Spannungsbögen oder überraschende Momente. Sein Konzept scheint eher im Seriellen zu wurzeln. Und in einer Ästhetik, die die Werkstatt immer durchschimmern lässt.

Man könnte das Stück auch als Versuchsanordnung empfinden. Als den Versuch nämlich, was man aus einem vorgegebenen Repertoire an Bewegungen alles herausholen kann, wenn man immer wieder neue Variationen und kleine Ergänzungen hinzufügt. Und das ist gar nicht wenig. Allein schon der Wechsel zwischen Soli und Zweierkonstellationen lässt die Bewegungsmuster in neuem Licht erscheinen. Ebenso, ob der Tanz in Stille erfolgt oder von Musik begleitet wird. Sanft anmutende Titel von Dowland oder Monteverdi zum Beispiel.

Ein weiteres Kriterium ist die unterschiedliche Nähe und Distanz, mit denen sich die Protagonisten aufeinander einlassen. Denn dass sie sich aufeinander einlassen, wird trotz des formelhaften Aufbaus der Choreografie schnell deutlich. Ob sie sehnsüchtig die Arme ausstrecken oder sich nach einem Sprung an die Brust des Partners fest an diesen klammern – fast immer ist ein Wunsch nach Nähe spürbar, der aber genauso oft keine Erfüllung findet. Der Mensch ist ein viel zu scheues Tier, um sich anderen bedingungslos zu öffnen. Das könnte man als Botschaft aus Léveillés „Sadness Quartet“ herauslesen. Wenn es denn eine Botschaft hat.

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