13. Freie Gartenakademie von Wilm Weppelmann erzählt „Von verlorenen Gärten“
Fragiles Kulturerbe der Menschheit

Münster -

Der Besucher von Wilm Weppelmanns Kleingarten muss sich unter einem sehr tiefhängenden Zweig voller Kirschen durchbücken, wenn er zu Deutschlands ungewöhnlichstem „Hörsaal“ gelangen will.

Dienstag, 12.06.2018, 17:34 Uhr

Wilm Weppelmann organisiert und präsentiert zum 13. Mal seine Freie Gartenakademie.
Wilm Weppelmann organisiert und präsentiert zum 13. Mal seine Freie Gartenakademie. Foto: Gerhard H. Kock

Der Besucher von Wilm Weppelmanns Kleingarten muss sich unter einem sehr tiefhängenden Zweig voller Kirschen durchbücken, wenn er zu Deutschlands ungewöhnlichstem „Hörsaal“ gelangen will. Am Gartenhäuschen vorbei betritt er den Zuhörer-Rasen vor der kleinen hölzernen Bühne. Hier, in der Gartenanlage Langemarckstraße 73, veranstaltet der Künstler die 13. Freie Gartenakademie. Bis Ende August locken zwölf Veranstaltungen mit Musik, Literatur und Geschichten aus der Welt der Fauna – vorgetragen von hochkarätigen Experten, vom Professor bis zum hoch professionellen Autodidakten. Das Programm „Von verlorenen Gärten“ steht im Zeichen dieses „fragilen Naturerbes“, wie Weppelmann es formuliert.

► Am Donnerstag (14. Juni) beginnt Prof. Dr. Ludwig Fischer (Naturtheoretiker und Literaturwissenschaftler an der Universität Hamburg) um 20 Uhr die Reihe mit einem Vortrag über das Paradox von Natur und Kultur, dem sich der gärtnernde Mensch in seinen Beeten gegenübersieht.

► Ungewöhnlich, menschlich, poetisch wird es beim Live-Daumenkino von Volker Gerling am Freitag (15. Juni) um 21 Uhr. Der Berliner erzählt mit handbewegten Bildern von den Erlebnissen seiner zwölfmonatigen Wanderschaft.

► „Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern“ heißt ein Vortrag am Mittwoch (20. Juni) um 20 Uhr von Torsten Matschiess, dessen 8200 Quadratmeter Garten ein Treffpunkt der Szene geworden ist.

► Über die „Schotterwüste“ und andere ästhetische Fauxpas’ im Garten berichtet Jörg Pfenningschmidt am 24. Juni um 19 Uhr. Sein Buch „Hier wächst nichts – Notizen aus dem Garten“ überzeugte die Jury des Deutschen Gartenbuchpreises. „Dieser Abend wird amüsant und traurig zugleich“, kündigt Weppelmann an.

► Eva Eberwein hat 2003 Haus und Garten von Hermann Hesse vor dem Abriss bewahrt, indem sie beides kaufte und restaurierte. Am 11. Juli zeigt sie Bilder von diesem (fast) „verlorenen Garten“, dem einzigen, den Hesse selbst entworfen hat. Weppelmann hat das Anwesen am Bodensee bereits selbst besucht und erzählt, Hesse habe seine Wege mit Büchern, die ihm als Rezensent ungefragt zugeschickt wurden, gepflastert und so der Kompostierung zugeführt . . .

► Über „Lost Gardens of Heligan“ in Cornwall (wiederentdeckt von Tim Smit) berichtet am 20. Juli um 20 Uhr sein Übersetzer Stefan Leppert.

► Zur totalen Mondfinsternis am 27. Juli liest der Schauspieler Carsten Bender aus Texten über den Mond in der Literatur. Die Veranstaltung beginnt zeitgleich mit dem Naturschauspiel um 21 Uhr.

► „Klang und Stille“ ist der Titel des Konzerts am 29. Juli um 20 Uhr mit Hilmar Hajek und Jörg Kerll vom Klangzentrum Osnabrück. Sie bringen exotische Instrumente und Klangstrukturen in das kleingärtnerische Ambiente.

► Die Gartenbau-Ingenieurin Dorothée Waechter aus Essen erzählt als erfolgreiche Gartenbuchautorin und Fachjournalistin am 1. August um 20 Uhr zur Frage „Verloren im Garten? – Von Anfängerglück und kleinen Niederlagen“.

► „Selbst ist die Pflanze“ heißt es am 4. August um 16 Uhr, wenn Sigrid Tinz von der Raffinesse sich selbst ausbreitender Pflanzen erzählt.

► Zur Kulturgeschichte des fragilsten Kulturerbes „Garten“ spricht am 24. August um 20 Uhr Prof. Dr. Gert Gröning (Berlin): „Von verlorenen Gärten“.

► Zum Abschluss am 31. August spielen Gudula Rosa und Marko Kassel um 20 Uhr ein Konzert mit Blockflöte sowie Akkordeon und begeben sich in der Gartenanlage auf schwieriges Terrain.

Die nächsten Programme der Gartenakademie seien schon in Planung, verrät Wilm Weppelmann. „Das bewegt mich auch jedes Jahr wieder aufs Neue das Herz.“ 2019 soll es bei „Nachbars Garten“ um die Niederlande und 2020 gleichsam global um „Die Welt in meinem Garten“ gehen.

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Eintritt ist jeweils frei; um Spenden wird gebeten. Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Beginn.    | www.gartenakademie.org

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