Uraufführung „Unser Platz an der Sonne“ vom Theater Odos
Reise in deutsche Vergangenheit

Münster -

Wohin flüchten Deutsche, wenn ihre Heimat durch Überschwemmungen und Atomkatastrophen unbewohnbar zu werden droht? Im neuen Theaterstück „Unser Platz an der Sonne“ von Theater Odos aus Münster stellen sich die beiden Protagonisten diese Frage.

Mittwoch, 20.06.2018, 19:26 Uhr

Jörg Schulze-Neuhoff (l.) und Stefan Meißner in „Unser Platz an der Sonne“
Jörg Schulze-Neuhoff (l.) und Stefan Meißner in „Unser Platz an der Sonne“ Foto: Theater Odos

Wohin flüchten Deutsche, wenn ihre Heimat durch Überschwemmungen und Atomkatastrophen unbewohnbar zu werden droht? Im neuen Theaterstück „Unser Platz an der Sonne“ von Theater Odos aus Münster stellen sich die beiden Protagonisten diese Frage. War da nicht mal die Idee von einem kleinen Stück neuen Deutschlands? Irgendwo auf dem afrikanischen Kontinent? Da gab es doch schon einmal deutsche Kolonien: Namibia, Tansania, Togo und Kamerun heißen die Länder heute.

Also reisen die beiden Flüchtenden am Sonntag (24. Juni) ab 18 Uhr im Kammertheater „Der Kleine Bühnenboden“ auf einem Kreuzfahrtschiff Richtung deutscher Vergangenheit. Auf der Suche nach Rettung. Doch was sie finden, ist die Erinnerung an Völkermorde und Ausbeutung, an weiße europäische Überheblichkeit und die Folgen kolonialer Politik. „Im deutschen Gedächtnis ist deutsche Kolonialzeit nahezu nicht existent“, sagt Autor und Regisseur Heiko Ostendorf . Das will die Theatergruppe ändern.

Kolonialismus betreffe für viele Menschen lediglich die klassischen Eroberungsstaaten Großbritanien, Spanien und vielleicht auch Portugal, so Ostendorf. Ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts forderte allerdings das Deutsche Reich auch seinen Anteil an den weltweiten Kolonien. „Wir wollen niemanden in den Schatten stellen, aber wir fordern auch unseren Platz an der Sonne“, erklärte der spätere Reichskanzler, Bernhard von Bülow, am 6. Dezember 1897 im Reichstag.

„Dieser Ausspruch ist zum geflügelten Wort geworden – aber kaum jemand kennt den grausamen und tragischen Hintergrund“, meint der Theatermacher. Die Folgen seien: Hunderttausende Tote sowie zerstörte Kulturen und Gesellschaften. „Das ist bis heute im Gedächtnis der Menschen in den Ländern ehemaliger deutscher Kolonien präsent.“ Auf der Bühne spielen die beiden Bielefelder Schauspieler Stefan Meißner und Jörg Schulze-Neuhoff die beiden weißen Deutschen.

Sie pendeln zwischen der Überzeugung, als überlegene Europäer den Zielländern helfen zu können, und der Verzweiflung, die eine Flucht über das Meer mit sich bringt. „Auf der einen Seite ist da die Arroganz, mehr Wert zu sein. Auf der anderen die Konfrontation mit den historischen Folgen dieser Arroganz“, erläutert Schauspieler Stefan Meißner. Und Jörg Schulze-Neuhoff ergänzt: „Aus dieser Konstellation entsteht ein psychologisch spannender Umgang mit diesem Teil deutscher Geschichte.“

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Die Uraufführung ist am Sonntag (24. Juni) um 18 Uhr im Bühnenboden, Schillerstraße 48A. Die nächste Aufführung am 30. Juni um 20 Uhr. Karten gibt es online.   | www.localticketing.de

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