Choreographie von Samuel Feldhandler im Pumpenhaus
Unermüdlich in Bewegung

Münster -

Langsam in die Knie gehen, sich drehend wieder aufrichten, Arme und Beine dabei synchron abspreizen, mit angelegten Armen wegdrehen und mit ausschwingenden Armen ruckartig wieder zurück. Eine Hand tippt dann noch auf den Boden, während die andere zur Decke weist. Das ist in etwa das Bewegungsvokabular, auf dem Samuel Feldhandler seine Chroreografie „’d he meant vary a shin’s“ aufbaut.

Sonntag, 24.06.2018, 15:26 Uhr

Die Akteure im Pumpenhaus deklinieren tänzerische Bewegungsmuster durch und variieren sie permanent.
Die Akteure im Pumpenhaus deklinieren tänzerische Bewegungsmuster durch und variieren sie permanent. Foto: José Figueroa

Man könnte statt Bewegungsvokabular auch Grundwortschatz sagen. Denn das im Pumpenhaus aufgeführte Stück folgt einer Theorie, derzufolge sich Sprache nicht aus älteren Versionen, sondern aus sich selbst heraus entwickelt, indem bestehende Ausdrücke sich zu neuen Wörtern entfalten. Daraus erklärt sich auch der etwas rätselhafte Titel. Aus „Theme and variations“ wurde „Tea meant very ancients“, daraus dann „Team end vary ash inns“ und schließlich „’d he meant vary a shin’s“.

Auf den Tanz selbst wirkt sich diese Theorie ziemlich seriell aus, indem das Ensemble die oben skizzierten Bewegungsabläufe in einer Art Endlosschleife immer wieder variiert. Mit Eva Honings und Lena Schattenberg hat Feldhandler dafür zwei Mitstreiterinnen gefunden. Zu dritt führen sie ihre Aufgabe ebenso unermüdlich wie exakt aus. Das Licht spielt ebenfalls mit und wird in festgelegten Abständen heller und dunkler, wenngleich der Rhythmus manchmal etwas willkürlich wirkt.

Die Variationen im Tanz äußern sich auch in der Ästhetik und der damit verbundenen Stimmung. Gleichzeitig verlagert sich der Fokus mal auf die Beine, dann wieder auf die Arme und den Oberkörper. Später werden die Bewegungen spielerischer und raumgreifender, sodass sie die Tänzer über die ganze Bühne treiben. Auch das Tempo steigert sich, bedingt durch den Soundtrack, der mit seinem beständigen Rauschen, Vi­brieren, Dröhnen und Sirren ebenfalls sehr minimalistisch wirkt.

Überhaupt hat Feldhandlers Arbeit eher experimentellen Charakter. Das Stück wirkt mehr wie eine Studie als eine Choreografie. Unmittelbar mitreißen tut das Geschehen auf der Bühne nicht. Man muss schon selber Interesse an Theorie und Technik mitbringen, um am Ball zu bleiben und die feinen Veränderungen im Tanzgeschehen würdigen zu können. Hält man als Zuschauer die Konzentration aufrecht, erkennt man ein durchaus stimmiges Konzept, das die einstündige Aufführung am Ende wieder an ihren Ausgangspunkt zurückführt.

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