„Cactus“ präsentiert ein modernes Theater-Tanz-Märchen: „Reich der Wörter“
Wenn gute Sprache teuer ist

Münster -

Wenn die Sprache die Kleidung der Gedanken ist, dann zeigt Sprachlosigkeit einen Menschen ohnmächtig, hilflos, nackt. „Cactus“ hat als junges Theater mit seiner interkulturellen und internationalen Arbeit mit solchen „Kleiderfragen“ zu tun.

Donnerstag, 28.06.2018, 23:37 Uhr

Das Ensemble des jungen Theaters „Cactus“ widmet sich diesmal im „Reich der Wörter“ der Sprachlosigkeit und seinen Folgen für den Menschen und seinen Alltag.
Das Ensemble des jungen Theaters „Cactus“ widmet sich diesmal im „Reich der Wörter“ der Sprachlosigkeit und seinen Folgen für den Menschen und seinen Alltag. Foto: Martina Pott

Wenn die Sprache die Kleidung der Gedanken ist, dann zeigt Sprachlosigkeit einen Menschen ohnmächtig, hilflos, nackt. „Cactus“ hat als junges Theater mit seiner interkulturellen und internationalen Arbeit mit solchen „Kleiderfragen“ zu tun. Judith Suermann gab für die neuste Produktion das Thema vor: „Sprachlosigkeit“. Inzwischen im Mutterschutz führt als Regisseurin Sarah Christine Giese die Inszenierung zum Ende. Das „Reich der Wörter“ hat Donnerstag Premiere.

Das Cactus-Ensemble hat über Improvisationen und Schreibwerkstätten das Material fürs Stück erarbeitet, und rasch fokussierte sich das Feld auf Bildungsgerechtigkeit. Wie wirkt sich Sprachversiertheit im Alltag aus? Wie verändert es Menschen und deren Beziehungen untereinander. Wie funktioniert eine Probe von Chorsängern mit nur wenigen Wörtern? Was sind Lieblingswörter? Was könnte passieren, wenn diese beerdigt würden? Giese: „Wir gehen recht humoristisch mit dem Thema um.“

Aus der Arbeit ist eine Collage entstanden, die märchenhaft beginnt und dystopisch bedrückend endet: Im Zwergenstaat eines namenlosen Landes werden Wörter nicht erlernt, sondern ausschließlich gekauft oder vererbt. Der Schwarzmarkt floriert, und die Wörterpolizei kontrolliert. Wer eine Straftat begeht, muss ein Wort abgeben. Der eigene Name wird einem verliehen. Als weniger gut Betuchter häuft man höchstens unnütze Wörter an, kann aber seinem Partner nicht sagen, was man fühlt. Die Wörter kommen aus dem Machtzentrum: der Fabrik. Alltägliches wie Einkauf, Arztbesuch oder Schule werden zum waghalsigen Abenteuer, wenn nicht ausgedrückt werden kann, was ausgedrückt werden möchte.

Da Worte in der Geschichte rar und teuer sind, spielt in der Inszenierung die Tanz-Choreographie von Sebastian Knipp eine bedeutende Rolle. Die erste Bühne von Martina Pott (FH Münster) für „Cactus“ besteht aus grünlich schimmeligen Kartons, die die Silhouette der Fabrik-Stadt bilden. Die Kostüme Gaby Sogls (früher bei Daniel Goldin) erinnern an „Charles Dickens in modern“ (Sarah Giese). Die Arbeiter sind gräulich, die System-Repräsentanten knallfarbig.

Es spielen: Nils Müller, Emma Ernst, Anna Liebert, Adelina Meyer, Samira Karidio, Larissa Kjortosheva, Emma Renzel, Raphael Diallo und Azim Salmasi sowie als Gast Max Wigger.

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Die Premiere ist am Donnerstag (5. Juli) um 20 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Weitere Termine dort: 6., 7. (mit Gebärdensprachdolmetscher), 8., 9. und 12. Juli jeweils 20 Uhr; Schulvorstellungen sind am 10. und 11. Juli jeweils 11 Uhr. Karten (12 / 7 Euro): ' 23 34 43.

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