„Summerwinds“-Doppelkonzert
Blockflöte wird zur Diva

Münster -

Georg Friedrich Telemann übertraf seinen berühmtesten Zeitgenossen. An Ruhm, Produktionsfuror und professioneller Vermarktung– nur nicht in der Musik. Seine Konkurrenz zu Johann Sebastian Bach wurde von der Musikgeschichte kaltblütig quittiert. Man konnte in Telemanns „Tafelmusiken“ das Geschirr klappern hören, und dass er der Blockflöte Fantasie(n) zutraute, provozierte Spott. Heute ist (fast) alles anders. Bach first! – doch die münstersche Blockflötistin Tabea Debus demonstrierte im „Summerwind“-Konzert „Anemoi – Die vier Winde“ im Erbdrostenhof die Modernität Telemanns gerade im Spiegel der Moderne. Zusätzlich surfte das Prisma-Ensemble im Schatten von Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterwinden.

Sonntag, 01.07.2018, 18:01 Uhr aktualisiert: 03.07.2018, 17:36 Uhr
Konzert im Erbdrostenhof: Tabea Debus (M., Blockflöte) wurde von (v.l.) Franciska A. Hajdu (Violine), Alon Sariel (Laute), Dávid Budai (Viola da Gamba) und Elisabeth Champollion (Blockflöte) begleitet.
Konzert im Erbdrostenhof: Tabea Debus (M., Blockflöte) wurde von (v.l.) Franciska A. Hajdu (Violine), Alon Sariel (Laute), Dávid Budai (Viola da Gamba) und Elisabeth Champollion (Blockflöte) begleitet. Foto: mosi

Fünf Fantasien Telemanns für Blockflöte solo standen zeitgenössische Kompositionen gegenüber, die sich auf jeweils eine Fantasie kaprizierten. Motorik und motivische Arbeit blieben bis in spieltechnische Artikulation hinein von Telemanns Musik inspiriert. Es war, als offenbare barocke Ordnung ihr Innerstes gerade in schroffen bis bizarren Tendenzen, die wie ein Nachhall der zeitgenössischen Werke durch Telemanns Fantasien geisterten. So innig schien ihr Verhältnis, dass Jahrhundertsprünge als fließende Übergänge erklangen. In Debus ’ exzellentem Spiel streifte die Blockflöte ihr Aschenputtel-Dasein ab und wurde zur Diva. Auch wenn Telemann keine imaginäre Polyphonie à la Bach zelebriert, besaßen Debus‘ Sechzehntelketten makellose Schönheit, besaßen die rhythmischen Finessen der Musik Elastizität und Akkuratesse. Die Musik des Barockmeisters groovte, vibrierte und schien ins 21. Jahrtausend abzuheben: eine Flower-Power-Party für und mit Telemann. Exzentrische Intervalle und Taktwechsel in Arne Gieshoffs (geboren 1988) „Entr’acte“ wusste Debus mit pyrotechnischer Brillanz zu befeuern.

Kaum weniger vehement katapultierte das Prisma-Ensemble die Musik frühbarocker Granden von Uccellini bis Turini in Klimazonen poetischer Flora-und-Fauna-Reflexionen. Deren jahreszeitlichen Auf- und Abwinden hatte jeder Instrumentalist ein eigenes „Prélude“ vorausgeschickt sowie ein Medley hinterher: Das Publikum erging sich in Begeisterungsstürmen.

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