Overberg-Kolleg zeigt selbstgeschriebenes Theaterstück: „If Dreams Control You“
„Träume sind nur ein Rauschen der Kon­troll­losigkeit“

Münster -

„Dass ich erkenne, was die Welt / Im Innersten zusammenhält“, fabuliert Goethes Faust und formuliert lapidar, was die Menschheit zusammenhält: die Suche nach dem Phantom Glück. Auch Professor Bleskovitch, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Neurologie, hat sich restlos der Suche nach innersten Innenwelten verschrieben.

Montag, 09.07.2018, 18:20 Uhr

Der Literaturkursus des Overberg-Kollegs präsentierte sein selbstgeschriebenes Stück zum Thema „Träume“.
Der Literaturkursus des Overberg-Kollegs präsentierte sein selbstgeschriebenes Stück zum Thema „Träume“. Foto: Günter Moseler

„Dass ich erkenne, was die Welt / Im Innersten zusammenhält“, fabuliert Goethes Faust und formuliert lapidar, was die Menschheit zusammenhält: die Suche nach dem Phantom Glück. Auch Professor Bleskovitch, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Neurologie, hat sich restlos der Suche nach innersten Innenwelten verschrieben. Seinen Lebenstraum sieht er in der Beherrschung von Träumen: „Der Plan ist, in den Traum der Patienten einzudringen und das Trauma in ein positives Ereignis umzuwandeln“, erklärt er in „If Dreams Control You“. Studierende des Literaturkurses des Overberg-Kollegs hatten dieses Stück geschrieben und führten es nun auf.

Auf wissenschaftliche Machtfantasien schien das Werbeplakat zu spekulieren: Zwei gestreckte Hände hantieren mit einem Marionetten-Spielkreuz, dessen Fäden die Gehirnwindungen eines Kopfes kontrollieren. Im kargen Ambiente wurde der Szenenreigen eröffnet: Kaum, dass sich ein Penner brav mit Zeitungen zur Nachtruhe zugedeckte, vollführten seine Synapsen ein wildes Gespenster-Ballett. Plötzlich entflammte das Licht und blickte man in das Vorzimmer einer Klinik mit Empfangsdame, Hausmeister und lebendiger Drehtür: Ironie als Spezialgebiet der Neuralgie.

Auftritt Professor Bleskovitch im Scheinwerfer-Spot, der wie ein riesiger Heiligenschein das monströse Ego enthüllte, während kahler Schädel, kühle Brille und ein geflüsterter Vortrag den Typ Frankenstein assoziierte. Ein Mann mit Faible für bizarre Experimente: „Träume sind nur ein Rauschen der Kon­troll­losigkeit“. Patient Nr. 1 schien diese Hypothese zu beweisen: Durch seinen Traum huscht ein „klugscheißendes Huhn“ sowie ein komischer „Wunderbär“. Kaum verflüchtigen sich die Gespinste, dominiert die schläfrige Ödnis sedierter Patienten. Dann wieder inszeniert sich eine Privatpatientin als Sexbombe und wird in finsteren Ecken um Träume gedealt: „Ich brauche sechs Albträume, einen Erotiktraum und irgendwas Lustiges‘“. Einer träumt von uferlosem Reichtum, ein Engel lässt Scheine auf ihn herabregnen, es triumphiert debiler Frohsinn.

Therapie-Erkenntnisse der Klinik halten sich in Grenzen: „Ich schlafe fast viel – fast immer“, klagt eine Patientin; „Versuche aktiver zu sein“, rät Schwester Irene. Irgendwann schlagen die Träume zurück und drohen, die Wirklichkeit zu erobern. Aber alle Beherrschung von Träumen kann nur im Terror enden – wie politische Systeme, deren Visionen vom schönen Leben zum Höllenritt im 20. Jahrhundert angespornt haben. Eine schöne Leistung des studentischen Darsteller-Kollektivs.

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