„Urbanes Intermezzo“ des städtischen Frauenbüros in der Innenstadt
Anguanen sind keine Hexen

Münster -

Eine klebt mit schaurig geschminktem Gesicht an einem Baumstamm. Die andere liegt auf der Wiese, wie frisch aus dem Wasser gezogen. Eine Dritte hat sich auf dem Mäuerchen neben der Aabrücke niedergelassen. Einen besonders vertrauenswürdigen Eindruck macht auch sie nicht. Und das soll sie auch gar nicht. Denn bei den neun Damen im Alter zwischen 30 und 85 Jahren handelt es sich um Anguanen.

Mittwoch, 18.07.2018, 18:48 Uhr

Die Anguanen sorgen noch am Donnerstag und am Samstag für Aufmerksamkeit
Die Anguanen sorgen noch am Donnerstag und am Samstag für Aufmerksamkeit Foto: Helmut Jasny

Eine klebt mit schaurig geschminktem Gesicht an einem Baumstamm. Die andere liegt auf der Wiese, wie frisch aus dem Wasser gezogen. Eine Dritte hat sich auf dem Mäuerchen neben der Aabrücke niedergelassen. Einen besonders vertrauenswürdigen Eindruck macht auch sie nicht. Und das soll sie auch gar nicht. Denn bei den neun Damen im Alter zwischen 30 und 85 Jahren handelt es sich um Anguanen. Das sind Wassergeister, die sich seltsam, schräg, schrill und manchmal auch ein wenig verwirrt verhalten, erklärt Bianca Austermann .

Austermann ist Theaterpädagogin. Zusammen mit der Choreographin Katrin Banse hat sie das „Urbane Intermezzo“ inszeniert, mit dem das städtische Frauenbüro jedes Jahr darstellerisch an die Öffentlichkeit geht. Die Veranstaltung ist Teil des Programms „Frauen Zeit Alter“. Gewöhnlich finden die Aufführungen im Festsaal des Rathauses statt. Aber diesmal wollte man auf die Straße. Von der Überwasserkirche ging es zum Kiepenkerl und weiter zur Lambertikirche, wo der Umzug mit einer Tanzeinlage seinen Abschluss fand.

Aufsehen erregt der Zug der Geister von Anfang an – allein schon wegen der Aufmachung der Protagonisten. Ebenso fremdartig wie unheimlich sehen sie aus mit ihren geschminkten Gesichtern und den fabelhaft anmutenden Gewändern. Die Schreie, die sie ausstoßen, haben sie den Elben aus Tolkins Romanen abgelauscht. Ihre Tänze wirken nicht weniger mystisch, wenn sie sich zu einem Kreis formieren und die Arme ekstatisch gen Himmel strecken.

Begleitet von Anja Kreysing am Akkordeon ziehen die Frauen bald einen Tross an Schaulustigen hinter sich her. „Sind das Hexen?“, fragt eine ältere Dame. „Nein, Oma, das ist eine Performance“, klärt ihre Enkelin sie auf. Eine Gruppe Burschenschaftler, die sich in voller Montur vor der Lambertikirche versammelt hat, blickt misstrauisch auf die vermeintliche Gegenveranstaltung. Aber die Geister haben Wichtigeres zu tun. Das Frauenbüro erhofft sich von der Veranstaltung nicht nur Aufmerksamkeit. Die Zuschauer sollen angeregt werden, selbst neue Ausdrucksformen auszuprobieren.

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Wiederholt wird der einstündige Umzug am Donnerstag und Samstag (19. und 21. Juli) um 18 Uhr zwischen Überwasserkirche und Aabrücke am Spiegelturm.

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