„Best of Poetry Slam“ zum Abschluss der Reihe „Kabarett im Schlossgarten“
Ganz viele verdichtete Gedanken

Münster -

Zum „schönsten Poetry Slam der Welt“ hatte das Kulturamt am Samstagabend geladen, zum Finale seiner Reihe „Kabarett im Schlossgarten“. Der regnerische Nachmittag schreckte die Münsteraner nicht ab: Das Kulturamt meldete einen Publikumsrekord : 800 Besucher nutzten das weite Rund unter Bäumen vor dem Pavillon. Dagegen hatten Unwetter im Norden die Zusammensetzung der wettstreitenden Künstler beeinflusst. Somit traten in Münster an: Florian Cieslik aus Frankfurt, Anke Fuchs und Sulaiman Masomi aus Köln sowie Christian Ritter aus Berlin.

Sonntag, 29.07.2018, 15:50 Uhr

„Der schönste Poetry Slam der Welt“ vereint Unterschiedliches: Bezug zu Aktuellem bietet am ehesten Florien Cieslik. An grassierendes Denken in Schwarz und Weiß erinnert er, aber „das müssen wir ja gar nicht akzeptieren“. Er präsentiert die Früchte seines Nachdenkens als Künstler der Wort-Wahl und des Sprechens, plädiert für Vielfalt: „Vielfalt hat mir überhaupt nichts weggenommen.“

Abrupt springt der Slam zur Comedy, zu Sulaiman Masomi, dem aus Kabul stammenden Kölner, der seiner Grundschullehrerin erklärt haben will, er wolle dereinst „Terrorist“ werden: Da habe er das manipulative Potenzial der Angst kennengelernt. Masomi scheint im Text „Früher war alles besser“ spontan zu plaudern. „Kann ein Ausländer auf der Bühne nicht über etwas anderes sprechen als über sein Leben als Ausländer?“, frage sich sicher mancher. „Klar kann ich das – aber dafür gibt es keinen Markt.“

Dann Fuchs : Schwerer Stoff über Zwischenmenschliches, Nähe und Anfassen, im Text „Abstand“ verdichtet mit verstörenden Gedanken. Ritter dreht Liedtexte durch den Wolf „der aktuellen Gender-Debatte“. Da wird aus „Männer“ in Version 2.0 „gender-neutralisiert“ so etwas wie „Männer haben Muskeln. Frauen auch, sogar gleich viele“.

Die zweite Runde des Dichterwettstreits zeigte sich ebenso gedankenstark: mit Ritters „Easy Escort“, Fuchs’ „Heimat“, Masomis Gandhi-Stalin-Interaktion mit dem Publikum und Ciesliks „Masken“. Entsprechend variabel honoriert das Publikum die Leistung aller vier; mucksmäuschenstill lauschend bei Fuchs, mit Lach-Ausbrüchen bei Masomi.

Den Sieg der Punktezahlen in Münster trug schließlich Florian Cieslik davon, gefolgt von Christian Ritter. Lebhaften Applaus des großen Publikums gab’s auch für den Moderator Andreas Weber und den DJ AT alias Albert Ruppelt, der für viel Groove und allemal für ein lebhaftes Anmoderieren des Moderators sorgte.

„Am schwersten zu teilen sind Gedanken“, sagte Fuchs. Beim Poetry Slam in Münster klappte es.

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