Matthias Dreißig beim Orgelsommer in der Apostelkirche
Perlen mit Erfurter Verbindung

Münster -

Orgel, Interpret und Programm – wenn diese drei Partner organisch zueinander passen, ist „alles in Butter“, wie man so schön sagt. Matthias Dreißig hat am Samstag beim Orgelsommerkonzert in der Apostelkirche genau dies erreicht: ein perfektes Zusammenspiel dieser drei.

Sonntag, 29.07.2018, 15:50 Uhr

Matthias Dreißig vor dem dreimanualigen Spieltisch in der Apostelkirche.
Matthias Dreißig vor dem dreimanualigen Spieltisch in der Apostelkirche. Foto: Schulte im Walde

Da gab es Perlen des Barock zu bewundern, des frühen wie des späteren. Dietrich Buxtehudes raffinierte „Passacaglia in d“, vom Gastinterpreten aus Erfurt mit fantasievollen Registerkombinationen ausgestattet, könnte den jungen Johann Sebastian Bach beeindruckt haben, der sich Buxtehude zum Vorbild genommen hatte. Von Bach wiederum war Felix Mendelssohn Bartholdy inspiriert, wie Matthias Dreißig schlagend deutlich machte: Beider Komponisten Satzpaar „Präludium und Fuge“, beide in c-Moll stellte er nebeneinander. Die Parallelen wurden ohrenfällig.

Parallelen auch zwischen Buxtehudes „Passacaglia“ und Johann Pachelbels Variationsreigen „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ – der eine wie der andere erwies sich hier als einfallsreicher Meister im spielerischen Umgang mit dem jeweiligen Thema. Immer eine gute Figur machte die Orgel der Apostelkirche, die für solche Literatur geradezu ideale Voraussetzungen bietet – einen intelligenten Organisten vorausgesetzt, der die Ressourcen gut zu nutzen weiß. Aber da brauchte man sich bei Matthias Dreißig keinerlei Sorgen zu machen. Seit 1994 amtiert er als Kirchenmusiker an der Predigerkirche in Thüringens Landeshauptstadt.

Apropos Erfurt! Was dem Programmzettel des Sommerkonzertes nicht zu entnehmen war: Die ausgewählten Werke respektive deren Komponisten standen etliche Jahre ihres Lebens mit Erfurt in Verbindung. Pachelbel wirkte dort, bevor er nach Nürnberg ging. Und Johann Christian Kittel, einer der letzten Schüler Bachs, war einer von Dreißigs Vorgängern an der Predigerkirche. Kittels hübsche „Fantasie in a“ entzückte mit ihrem feierlichen Ouvertüren-Rhythmus und einer musikalischen Sprache, die schon ganz den „galanten Stil“ repräsentiert.

Bleibt August Gottfried Ritter, ein Frühromantiker, dessen „Sonate d-Moll“ intensive pianistische Züge trägt und von Dreißig auch ganz so angegangen wurde. Mit Zugriff! Ritter, Sohn der Stadt Erfurt, wurde später nacheinander Domorganist in Merseburg und in Magdeburg. Ein etwas unterschätzter Komponist, für den Matthias Dreißig eine klingende Lanze brach. Gut so.

Sehr freundlicher Beifall des konzentriert lauschenden Publikums in der Apostelkirche.

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