Künstlerinnen der SO-66 stellen zum Thema „Bella figura“ aus
Schön ist Schein und Sein

Münster -

„Bella figura machen“ steht für eine Lebenshaltung und Verhaltensweise. Für die Kunst der perfekten Erscheinung, gepaart mit Freundlichkeit, Respekt und Achtung – eine Anleitung für ein angenehmes Miteinander. Die SO-66 Künstlerinnen machen aufmerksam auf den „schönen Schein“ im „wahren Sein“. Sie werfen Fragen auf nach Identität und optimiertem Selbstmarketing, ebenso wie nach der Schönheit im Verborgenen.

Donnerstag, 02.08.2018, 16:31 Uhr

Liane Sommer zeigt exemplarisch eine Haltung.
Liane Sommer zeigt exemplarisch eine Haltung. Foto: SO-66

Eine Schwarz-weiß-Fotografie zeigt einen liegenden Frauenakt. Crista Book hat eine antike Venus nachgestellt und hinterfragt mit ihrer Arbeit „Revolte“ das geltende weibliche Schönheitsideal. Wer definiert das in heutiger Zeit; immer noch der männliche Blick? Anne Fellenberg zeigt in einem Video die kinetische Arbeit „Die Schattenfrau“. „Der Wunsch nach Distanz und die innere Abwehr gegenüber einem von unserer Gesellschaft geschaffenen Verhaltenskodex wird durch die abweisenden schwarzen Masken, die um eine Säule rotieren, dargestellt“, so die Künstlerin. Auch die „Figurinen“ in Fellenbergs zwölfteiliger Serie sind einer angedeuteten Rotation ausgesetzt und erscheinen in einem schwebenden Zustand.

Bei Annette Hinricher s Terracotta-Kopf „Maß halten“ ist die transparente weiße Farbigkeit markant, in die der Kopf bis unter die Augen getaucht ist, begrenzt von einer weißen Linie. Der Künstlerin geht es um „Grenzen der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit, ablesbar im Gesicht, um das Wissen um die kleinen geheimen Zeichen“.

Eine weiß gefasste „Maske“ aus Kirschholz zeigt Waltraud Kleinsteinberg. Die Künstlerin: „Um immer die Contenance zu wahren und bella figura zu machen, scheint es mir notwendig, manchmal eine Art Maske zu tragen, um Diskrepanzen zwischen Schein und Sein zu verbergen.“ Eine weitere Arbeit Kleinsteinbergs ist „Paar“. Zwei kleine Büsten aus Ytong und Gips. Die ihnen auferlegten Kragen aus Blei deuten an, dass vielleicht mehr auf ihren Schultern ruht als der äußere Schein erkennen lässt.

In ihrer Installation „Transition“ löst Ga­briele Maria Koch die klassische Aufstellung der Figuren eines Schachspiels auf und führt sie in die Form des Kreises. Herausgelöst aus ihren hierarchischen Zuschreibungen stehen die einzelnen Figuren unabhängig von ihrer Farbe nebeneinander; jede bildet im Kreis ein Gegenüber. Mit dem Titel „Transition“ deutet Koch auf Möglichkeiten hin, neue Wege hin zu einer zukunftsfähigen Lebensweise zu erproben.

Gisela Schäper sagt: „Bella figura zu kultivieren bedeutet für mich auch, der Kraft der Schönheit zu vertrauen.“ Darauf scheinen auch die vertrockneten Objekte aus Flora und Fauna in ihren Fotografien unter dem Titel „Renaissance“ zu vertrauen. Ihre Schönheit geht nicht verloren in ihrem Vergehen.

Liane Sommer s Malerei zeigt nur einen Ausschnitt einer nicht erkennbaren Person. Doch die Haltung der Hände lässt eindeutig auf eine Persönlichkeit schließen, aber auch die Geisteshaltung, der inneren Haltung gegen Widerstände.

Zufällig entdeckte Holzabschnitte aus der Holzkiste eines Hobbytischlers wurden für Veronika Teigeler zum Auslöser ihrer Arbeit „bella figura am Meer“. Die vorgefundenen Formen weckten bei ihr die Assoziationen an menschliche Körperformen. Die Holzstücke wurden von der Künstlerin bearbeitet, neu arrangiert und zusammengesetzt, mit Farbe akzentuiert.

Ulrike Vetter thematisiert in einer Fotoserie Identitätsfindung, Rollenspiel und Projektion. Für Vetter sind das Sinnbilder für die Suche nach dem passenden „Lebens-Schnittmuster“, das dazu befähigt, in allen Lebenslagen eine „gute Figur“ zu machen.

Zum Thema

Die Vernissage ist am Sonntag (5. August) um 15 Uhr in der SO-66, Soester Straße 66. Öffnungszeiten: samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung: ' 0175 / 605 26 17.

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