Ruppe Koselleck bietet „Magnetische Translokationen“
Jeder kann mal Kurator sein

Münster -

Ein bisschen Kasper König sein? Dieser Anspruch würde ein wenig in die Irre führen. Aber etwas ist dran: Denn was sich Ruppe Koselleck ausgedacht hat, versetzt den Käufer von Kunst in die Lage, sich kuratorische Gedanken zu machen. Also: In welchem Verhältnis möchte ich eine künstlerische Arbeit zu ihrer Umgebung, vor allem im öffentlichen Raum sehen.

Mittwoch, 01.08.2018, 23:20 Uhr

Als Leiter des Kunstvereins Ahlen, Lehrbeauftragter der Universität Osnabrück für „Experimentelle Kunstvermittlungsstrategien“ und nicht zuletzt als Künstler hat Koselleck das 30-jährige Bestehen des Kunstvereins zum Anlass genommen, 30 Künstler einzuladen, eine ausgewählte Arbeit als hochwertig abgezogenes Foto auf magnetischen Folien bereitzustellen. Diese Fotografien sind die Grundlage des Projektes.

Jedes Werk steht in 30 Exemplaren für Käufer zur Verfügung, die sich zugleich kuratorisch betätigen wollen. Koselleck: „Ich will, dass die Leute ans Denken kommen.“ Die Käufer-Kuratoren sollen Fotos von der Ausstellungssituation machen und an den Kunstverein mailen. Ende des Jahres wird es in Ahlen eine Ausstellung der Fotografien geben, die Rollengrenzen sprengen. Wie verändert sich Kunst in den Händen von Kuratoren-„Künstlern“.

Ruppe Koselleck hat sein Projekt vorher mehr als ein Dutzend Mal getestet in Dublin, Paris und dem sibirischen Ulan-Ude. Die Magnetfolien halten bis zu einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern. Auf Flugzeugen halte es nicht und auch an vielen Zügen nicht: zu viel Kunststoff.

Das Positionieren der wieder abnehmbaren Kunst kann gefährlich sein. In Russland platzierte Koselleck die „Wehrmachtskinder“ von Esther Rutenfranz auf einem Zug nach Moskau. Als er das fotografisch dokumentieren wollte, entdeckte ihn die Sicherheitspolizei und machte ihm unmissverständlich klar, dass Fotografieren aber so was von „absolut verboten“ sei. So musste diese „Magnetische Translokation“ ohne Beleg bleiben.

Die Korrespondenz zwischen den Bildern und der Umgebung kann ästhetisch und inhaltlich spannend sein. Frederik Foert hat als Fundstück eine Hinweistafel in einem Park gefunden, deren chinesische Schrift vermutlich „Rasen betreten verboten“ bedeutet. Für Ausländer wurde dies übersetzt mit „Don’t hurt me for your pretta“, was ungelenk: „Tu mir nicht weh für deine Hübsche“ bedeuten könnte. Ein Käufer dieser Folie kann sich nun überlegen, in welchem Umfeld diese Arbeit eine interessante Spannung erzeugt.

Auf der Homepage des Kunstvereins sind die Motive der Künstler zu sehen. Die Magnete (60 Euro) können per Post zugestellt werden. Unter anderem sind bislang Arbeiten vertreten von Wiebke Bartsch, Brandstifter, Susanne von Bülow, Carsten Gliese, Heiner Geisbe, Stephan Homann, Thomas Klegin, Eva Maria Kollischan, Günter Malchow, Thomas Prautsch, Markus Willeke, Günter Wintgens, Ludger Wörtler und Thomas Wrede.

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Künstler und Motive der Magnetischen Translokationen gibt es online:  | www.kunstvereinahlen.  blogspot.de

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