Multiples-Objekte
Osnabrücker Ehepaar stiftet 150 Beuys-Werke an Landesmuseum

Osnabrück/Münster -

Joseph Beuys, der Künstler vom Niederrhein, war eigentlich schon länger mit Münster verbunden. Erinnert sei nur an jenen zerschnittenen Fettkeil mit dem Titel „Unschlitt/Tallow“, den er im Rahmen der ersten Skulptur-Projekte 1977 im Lichthof des Museums präsentierte. 

Donnerstag, 16.08.2018, 15:41 Uhr aktualisiert: 16.08.2018, 17:26 Uhr
Multiples-Objekte: Osnabrücker Ehepaar stiftet 150 Beuys-Werke an Landesmuseum
Beuys schuf die "Capri-Batterie" während eines Aufenthaltes auf der italienischen Insel Capri. Schenkung Ingrid und Manfred Rotert. Foto: © VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: LWL/Anne Neier

Ursprünglich wollte er mit der Fettmasse einen Hohlraum an der Unterführung zum damaligen Hindenburgplatz ausfüllen, was finanziell und organisatorisch scheiterte.

Das 2014 aufwendig erweiterte Museum am Domplatz kann sich nun glücklich schätzen, schon mit dem Namen Beuys in Verbindung gestanden zu haben. Mit 150 Multiples von Joseph Beuys (1921-1986) hat es nämlich jetzt eine umfangreiche Schenkung der Familie Rotert aus Osnabrück erhalten. Eine Auswahl, darunter Objekte, Postkarten, Fotografien und Grafikeditionen, will das Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe demnächst in der Ausstellung „Hülle und Kern. Multiples von Joseph Beuys“ vom 29. November 2018 bis zum 29. September 2019 präsentieren.

Beuys revolutionierte das Kunstverständnis seiner Zeit

„Das bereits betagtere Sammlerpaar schätzt den Neubau des Museums und ist seit vielen Jahren auch mit den Skulptur-Projekten vertraut“, erläuterte Museumssprecherin Claudia Miklis gestern den schon seit vier Monaten bestehenden Kontakt des Museums zu dem Osnabrücker Sammlerpaar.

Was sind nun Multiples? In der Sprache der Kunst sind Multiples Objekte, von denen mehrere Exemplare hergestellt werden. Diese Kunstform entstand zu Beginn der 1960er Jahre und sollte es ermöglichen, Kunstwerke einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, als das bei Einzelstücken möglich war. Das entsprach genau dem demokratischen Ansatz, den Künstler jener Zeit pflegten. „Diese Schenkung ist ein Glücksfall für unser Museum“, betont Direktor Dr. Hermann Arnhold. „Die Multiples ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk von Joseph Beuys und beleuchten all seine Schaffensphasen.“ Etwa zehn Werke von Beuys befanden sich übrigens schon in der ständigen Sammlung, wie Claudia Miklis berichtet.

Filz war für Beuys ein Wärmespeicher

Beuys prägte während seines langen künstlerischen Lebens den Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ und war der Auffassung, dass politisches und gesellschaftliches Handeln im Sinne des Gemeinwohls jeden zum Schöpfer einer sozialen Plastik macht. Mit diesem erweiterten Kunstbegriff revolutionierte Beuys das Kunstverständnis seiner Zeit. „Und mit den Multiples schuf Beuys erschwingliche und demokratische Werke für jedermann, die seine künstlerischen Ideen in Tausende von Haushalten transportierten“, erläutert Kuratorin Dr. Marianne Wagner. „So gelangten über viele Jahre hinweg auch präzise nach persönlichen Interessen ausgewählte Multiples in den Lebensalltag von Ingrid und Manfred Rotert.“

Die Kommunikation zwischen Menschen ist ein zentrales Thema im Werk von Josef Beuys. So zeigt die Arbeit „Telephon S – E“ ein Kindertelefon aus zwei Blechdosen, die einfachste Methode des „fernmündlichen“ Gesprächs. Eines der bekanntesten Materialien im Werk von Beuys veranschaulicht der Filzanzug. Filz war für Beuys ein Wärmespeicher, wobei der Begriff „Wärme“ als Metapher für einen regen Geist, Kreativität und gestalterischen Willen zu verstehen ist. Der Künstler sagte über diesen Anzug, er sei einerseits ein Haus, eine Höhle, die den Menschen abschirmt, darüber hinaus sei er ein Zeichen für die Isolation des Menschen in unserer Zeit.

Joseph Beuys

Joseph Beuy (1921-1986) in Krefeld geboren, gehört zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er studierte an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, ab 1951 als Meisterschüler des Bildhauers Ewald Mataré. 1961 wurde Beuys zum Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Kunstakademie berufen und verwirklichte dort seine ersten Fluxus-Aktionen, bis er 1971 vom damaligen Wissenschaftsminister Johannes Rau fristlos entlassen wurde. Beuys hatte aus Protest gegen das Zulassungsverfahren an der Akademie gemeinsam mit seinen Studenten die Universitätsräume besetzt. Seit 1964 nahm er kontinuierlich an der Documenta in Kassel teil. 1976 bespielte Beuys den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig.1979 widmete ihm das Guggenheim Museum in New York eine Retrospektive.

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Mit der „Capri-Batterie“ schuf Beuys ein Multiple, das die Frage nach der Endlichkeit natürlicher Ressourcen aufwirft: Mit der Glühbirne, die Energie aus einer Zitrone erhält, zeigte er, woher die Menschheit ihre Lebensenergie bezieht. Eine ökologische Botschaft.

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