Rüschhaus: 25 Gäste beim Poesiekonzert
Einmal bei Annette grooven und chillen

Münster -

Darf man eigentlich im Rüschhaus nur Annette-Verse rezitieren? Natürlich nicht. Aber vielleicht sollte man der urigen, früher gar verwunschenen Stätte kein gar so schrilles „Outfit“ verordnen, wie es eine Schar von gut 25 Besuchern an Freitag bestaunen konnte. Das „Burg Hülshoff Center for Literature“ hatte zum ersten Poesiekonzert geladen und verwandelte das Innere wie auch das Äußere des Rüschhauses in eine Chillout-Lounge. Innen mit blauem Licht, außen mit grünem.

Montag, 10.09.2018, 18:36 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 09.09.2018, 17:14 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 10.09.2018, 18:36 Uhr
Schön grün: „Floral Shop“ am Rüschhaus.
Schön grün: „Floral Shop“ am Rüschhaus. Foto: Center for Literature

Da wurde von Katharina Schultens und Alexander Gumz Gegenwartslyrik rezitiert – in einer Manier, welche die Innigkeit früherer Epochen gegen zeitgeistige Coolness tauschte; da wurde, wo sich die Droste wohl einst an Mozart versuchte, zum chilligen Sound der 80er Jahre ein Mix aus Synthesizern und Dichterstimmen generiert. Der Ansatz war durchaus löblich, das Ergebnis nicht durchweg überzeugend.

Immerhin war mit „Floral Shop“ eine Band engagiert, die ihr Genre sehr überzeugend über die Rampe brachte. Sehr hallig groovend, mit quasi nostalgischem Chic – und eben so chillig, wie man es im stylischen Ambiente eines 80er-Jahre-Clubs gern konsumiert hätte. Im Garten des Rüschhauses aber war es wahrlich kalt genug. Kaum Bedarf für „Chillen“!

Und die zwei Dichter? Schultens und Gumz wurden als „bestechende Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartslyrik“ annonciert und waren in der Performance sehr versiert. Die Poetry­slam-Bewegung sorgt mittlerweile dafür, dass Lyriker heute „performen“ können. Die Rollen schienen klar verteilt: Sie fürs Innige, er fürs Lässige. Wobei sich Ironie und Bedeutungsschwere oft gegenseitig aufhoben.

Alexander Gumz fühlte seinem lyrischen Ich humoristisch den Puls, ging zum Beispiel „im Baumarkt Lichterketten fressen“, bevor er sein „spezifisches Gewicht“ verlor. Er streifte viele Themen, hin und wieder Westernhelden, die in den Sonnenuntergang reiten; wie bei John Ford, dem legendären Regisseur mit der Augenklappe. Katharina Schultens las aus ihrem Gedichtband „untoter Schwan“, und gefiederte Gesellen kamen auch in ihren Texten vor.

Was sich beim genauen Lesen wohl entschlüsseln ließe, passierte leicht und flüchtig das Publikumsohr. So wirkte das, was aus den zwei Oberfenstern in den Garten hinaus rezitiert wurde, wie ein Puzzle. Als würde ein „Lyrik-Computer“ per Zufall generierte Metaphern auf den Rasen streuen. Dem konnte man sich entspannt hörend überlassen und sich vom coolen Sound der Band forttragen lassen. Und hin und wieder – wenn man genau hinhörte – vernahm man im Publikum leise Lacher und Schmunzler.

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