„Artemandolino“ und Nuria Rial bei „Münster barock“
Ein höchst subtiler Zauber

Münster -

Eine Handvoll Töne und ein temperamentvolles Ensemble reichen, um eine ganze Welt aus unterschiedlichsten Gefühlen und Stimmungen entstehen zu lassen. Von stiller Melancholie bis hin zu exzessiver Raserei. Dies alles steckt in den „Folias“-Variationen, mit denen das Ensemble „Artemandolino“ am Sonntagabend dem Festival „Münster barock“ ein glanzvolles Finale im Erbdrostenhof bescherte.

Montag, 10.09.2018, 18:36 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 10.09.2018, 18:36 Uhr
Zum Abschluss von „Münster barock“ spielte das Ensemble „Artemandolino“ im Erbdrostenhof.
Zum Abschluss von „Münster barock“ spielte das Ensemble „Artemandolino“ im Erbdrostenhof. Foto: Christoph Schulte im Walde

Es ist ein schlichtes Bass-Motiv, das vor allem im 18. Jahrhundert in ganz Europa kursierte und für ungebändigte „Verrücktheit“ stand. Genau so klang auch die Version eines anonymen Komponisten aus Neapel. Mit Haut und Haaren warf sich „Artemandolino“ ins tönende Getümmel, wobei doch erstaunlich war, mit welcher Durchsetzungskraft sich die drei Mandolinen hier behaupten konnten.

Zu Unrecht führt diese immer noch oft verkannte Ins­trumentenfamilie ein Schattendasein und kämpft gegen sein schlechtes Image als Erzeuger folkloristischer Klänge. Die erzeugt es zwar auch – dies aber auf sehr beachtlichem Niveau, wie etwa Nicolo Romaldis „Sinfonia“ bewies. Oder Vivaldis „Concerto“, in dem gleich zwei Mandolinen miteinander wetteifern und sich an Virtuosität geradezu überbieten, schön grundiert von tiefen Streichern nebst Cembalo.

„Artemandolino“ bricht eine Lanze für die Mandoline als Solo-Instrument in all ihren Erscheinungsformen. Und dafür, dass sie sich bestens als Begleiter der menschlichen Stimme eignet. Womit der zweite Höhepunkt an diesem atemberaubend schönen Abend zu nennen ist: Nuria Rial, die Sopranistin, die sich in der Szene der Alten Musik längst in die Spitzenliga gesungen hat. Ihr Auftritt in Münster bestätigt einmal mehr diese Position. Ganz gleich, ob ihre Stimme ein schlichtes Strophenlied formt oder aufgeregt von Freud und Leid eines liebenden Herzens erzählt – stets geht von ihrem Gesang ein höchst subtiler Zauber aus, dem man sich nicht entziehen kann, gerade auch in Verbindung mit der Mandoline. Die wird, so konnte man übrigens lernen, mit einem Federkiel gezupft. Ganz ökologisch-biologisch also. Wenn auch nicht vegetarisch . . . Denn: „Einmal im Jahr gehen wir auf die Jagd“, warnte Mandolinist Juan Carlos Muñoz spitzbübisch das bunte Gefieder.

Festivalleiter Thomas Kügler zeigte sich nach diesem außerordentlichen Konzert zufrieden, sowohl mit dem künstlerischen Ertrag des gesamten Festivals als auch mit der ausgezeichneten Publikumsresonanz. Es darf gern so weiter gehen.

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