Anne Teresa De Keersmaekers „Rosas Danst Rosas“ im Pumpenhaus
Alter Klassiker mit junger Strahlkraft

Münster -

Es ist eine unruhige Nacht, durch die sich die vier Tänzerinnen hier quälen. Nebeneinander liegen sie auf der Bühne und wälzen sich hin und her. Die Beine strecken sich und winkeln sich wieder an. Auch die Arme wollen keinen rechten Platz finden und sind in ständiger Bewegung. Anschwellende Musik deutet einen Albtraum an, aus dem sie mit erschreckten Gesichtern und starr aufgerichtetem Oberkörper erwachen. Entsprechend mühevoll gestaltet sich der Morgen, wenn es gilt, das Bett zu verlassen und sich dem Tag zu stellen.

Sonntag, 16.09.2018, 15:06 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 16.09.2018, 15:06 Uhr
Durchdachte Anordnung im Raum: Die Tänzerinnen in dem 35 Jahre alten und doch immer noch jungen Tanzklassiker durchleben einen langen und anstrengenden Tag.
Durchdachte Anordnung im Raum: Die Tänzerinnen in dem 35 Jahre alten und doch immer noch jungen Tanzklassiker durchleben einen langen und anstrengenden Tag. Foto: Anne Van Aerschot

Anna Teresa de Keersmakers „Rosas danst Rosas“ ist ein Klassiker des modernen Tanztheaters und hat in den 35 Jahren seit der Uraufführung nichts von seiner Strahlkraft verloren. Die kraftvollen und genau austarierten Bewegungen, das raffinierte Spiel mit Wiederholungen, die gut durchdachte Anordnung der Akteure im Raum und das perfekte Zusammenwirken von Tanz und Musik – all das wirkte damals stilbildend und übt auch heute noch eine große Faszination aus. Davon konnte sich das Publikum im Pumpenhaus überzeugen, wo das Stück mit vier wunderbaren Tänzerinnen zu sehen war.

Dramaturgisch orientiert sich „Rosas danst Rosas“ am Ablauf eines Tages. Nach der unruhigen Nacht folgt ein hektischer Vormittag, den man sich in irgendeinem Büro vorstellen kann. Auf Stühlen sitzend, werden die Frauen vom maschinenhaften Sound in immer gleiche Abläufe hineingerissen. Wie von plötzlichen Stromstößen angetrieben schrecken sie hoch und führen hektische Bewegungen aus, nach denen sie sofort wieder kraftlos in sich zusammensinken. Erlösung bringt erst der Nachmittag. Dann wird die Musik melodischer und der Tanz freier. Ausgreifende Schritte, schwingend Arme, Drehungen und durchgestreckte Körper bestimmen jetzt das Bild.

Am Abend legen sich jazzige Töne über den Grundrhythmus der Musik. Die Tänzerinnen greifen sie auf und bringen so zusätzlichen Ausdruck in ihre Bewegungen. Bereitwillig lassen sie sich in einen Tanz hineinziehen, der immer dynamischer wird und sie an den Rand der Erschöpfung treibt. Aber es scheint eine angenehme, eine gewollte Erschöpfung zu sein.

Am Ende der 90-minütigen Aufführung wirken die Protagonistinnen, als wären sie endlich dort, wo sie schon immer sein wollten – ganz bei sich.

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