Merle Radtke stellt als neue Leiterin der Kunsthalle Münster ihr Programm vor
Feministische Kunst zum Auftakt

Münster -

Das Bewerbungsgespräch musste via Skype stattfinden. Denn Merle Radtke weilte zu dem Zeitpunkt als Stipendiatin des Goethe-Instituts in Japan (dort war es 0 Uhr!).

Freitag, 21.09.2018, 23:02 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 21.09.2018, 23:02 Uhr
Merle Radtke ist die neue Leiterin der Kunsthalle Münster. Die 32-Jährige startet ihr Programm mit drei Künstlerinnen.
Merle Radtke ist die neue Leiterin der Kunsthalle Münster. Die 32-Jährige startet ihr Programm mit drei Künstlerinnen. Foto: Gerhard H. Kock

Das Bewerbungsgespräch musste via Skype stattfinden. Denn Merle Radtke weilte zu dem Zeitpunkt als Stipendiatin des Goethe-Instituts in Japan (dort war es 0 Uhr!). Leiterin der Kunsthalle ist sie trotzdem geworden – oder vielleicht gerade deswegen. Ihr Lebenslauf ist bereits höchst beeindruckend.

1986 in Wilhelmshaven geboren und aufgewachsen hat Radtke früh mit Freunden Kunstzeitschriften aus der Bibliothek ausgeliehen und bald erkannt, dass ihr weniger Kunst-Machen liegt, sondern die Theorie sie fasziniert. Die heute 32-Jährige hat in Göttingen, später in Hamburg (auch Bordeaux) Kulturanthropologie und Museumsmanagement studiert, 2012 den Magister-Abschluss gemacht und nebenbei Praktika absolviert (wie 2007 auf der documenta). Es folgte 2013 das Volontariat an der Kunsthalle Hamburg, wo sie die Doppel-Ausstellung Eva Hesse (1936-1970) und „Gego“ (1912-1994) besonders begeisterte. Während des Umbaus der Kunsthalle durfte sie mit zwei Kolleginnen mit der Ausstellung „Spot on“ auf 2000 Quadratmetern Meisterwerke der Kunsthalle ins rechte Licht setzen. „Ein großer Vertrauensbeweis uns gegenüber.“

Mit Gabriele Schor kuratierte sie 2015 „Feministische Avantgarde“, die 32 Künstlerinnen zusammenführte (ein Überblick über die Anfänge der internationalen feministischen Kunstbewegung). Diese Positionen strahlen auch auf Radtkes Programm für die Kunsthalle Münster aus – zumindest bestimmen Künstlerinnen mit gesellschaftspolitischem Engagement den Auftakt.

Gleich zu Beginn kommt vom 14. Dezember bis zum 10. März (8. März ist Internationaler Frauentag) mit Mary Beth Edelson (Jahrgang 1933). Es wird die erste Einzelausstellung der amerikanischen Künstlerin und Pionierin der feministischen Kunstbewegung in Deutschland sein. Nicht nur wegen der „MeToo“-Debatte sei diese Arbeit von „extremer Aktualität“. Dafür war Radtke eine Woche lang im Atelier der 85-Jährigen in New York.

Im April ermöglicht Merle Radtke der Hamburgerin Christiane Blattmann, die in Brüssel lebt, eine erste institutionelle Einzelausstellung. Die 35-jährige wird den kompletten Raum bespielen und dafür die „fantastische Werkstatt“ und das Atelier der Kunsthalle auch als Arbeitsraum nutzen. Ihre Themen: Wie formt den Menschen das, was er selbst produziert hat – Architektur und Kleidung zum Beispiel.

Die dritte Frau im Bunde wird die französisch-algerische Künstlerin Katia Kameli mit Schwerpunkt Videokunst sein, die sich mit der Kolonialgeschichte Algeriens und Frankreichs beschäftigt. Radtke: „Da kommt mein Interesse als Kulturanthropologien zum Tragen.“

Radtke fasst ihren Start an der Kunsthalle zusammen: „Ein sehr frauenlastiges Programm.“ Als sie daraufhin gefragt wird, ob sie auch Männer zeige, lacht sie laut auf: „Ja.“

An den „Flurstücken 2019“ (15./16. Juni) arbeitet Radtke auch mit. Und ihre Promotion an der Hamburger Kunstakademie über „Elastizität des Bildes und Prinzipien der Kombinatorik in der post-digitalen Kunst“ will sie ebenfalls abschließen.

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