„The Sea Within“ im Pumpenhaus
Die Kraft des Weiblichen

Münster -

Es ist ein großes Ensemble, das Lisbeth Gruwez im Pumpenhaus auffährt. Zehn Tänzerinnen, alle in unterschiedlichen Farben gekleidet, bewegen sich langsam über die Bühne. Mit unnatürlich abgewinkelten Armen und stelzenhaften Schritten wirken sie wie Wesen aus einer anderen Welt. Dieser Eindruck wird durch die Musik noch verstärkt, bei der sich elektronisches Rauschen, Heulen, Pfeifen und Dröhnen zu einem gespenstischen Soundtrack verbinden. Doch das ist nur der Auftakt. Im Lauf der nächsten Stunde wird sich die Betriebstemperatur beträchtlich erhöhen.

Sonntag, 23.09.2018, 16:20 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 23.09.2018, 16:20 Uhr
Zwei Tänzerinnen aus dem famosen Ensemble von Lisbeth Gruwez in Aktion.
Zwei Tänzerinnen aus dem famosen Ensemble von Lisbeth Gruwez in Aktion. Foto: Danny Willems

In „The Sea Within“ widmet sich die flämische Choreografin dem Weiblichen in allen seinen Facetten und Ausführungen. Und weil Frauen bekanntlich sozialere Wesen sind als Männer, geht es hier auch um das Verhältnis zwischen dem Ich und dem Wir. Ist zu Beginn noch jede der Frauen eine Insel auf der weiten Bühnenfläche, kommt es bald zu ersten Annäherungen. Zweier- und Dreierkonstellationen bilden sich, nehmen Kontakt zu anderen Gruppen auf und verbinden sich zu regelrechten Landschaften aus ineinander verschlungenen und umeinander wuselnden Körpern.

Ein amorphes Pulsieren bestimmt jetzt das Bild. Aber es hat nicht lange Bestand. Irgendwann wird den Tänzerinnen die Nähe zu nah, und sie spritzen aus der Masse heraus, um wieder zu ihrem Ich zurückzukehren. Dieser Vorgang wiederholt sich mehrmals, und jedes Mal legen die Bewegungen an Kraft und Dynamik zu. Bis sie schließlich in einer wahren Tanzorgie enden, die einen unwillkürlich an heidnische Rituale oder wild gewordene Bacchus-Jüngerinnen denken lassen. Auch zeigen sich die Frauen in ihrer Individualität nicht immer nett und harmonisch. Fratzen werden geschnitten, einige strecken dem Publikum die Zunge raus, eine andere, in flammendes Rot gekleidet, macht mit den Fingern Teufelshörner.

„The Sea Within“ ist expressives Tanztheater, das nicht nur mit starken Bildern, sondern auch mit einer gelungenen Dramaturgie aufwartet. Die sich Runde für Runde steigernde Dynamik wird flankiert von einem gut durchdachten Wechsel zwischen Einzel- und Gruppenchoreografien, die sich zudem in einem beständigen Spannungsfeld zwischen Ordnung und Chaos bewegen. Als Charakterisierung des Weiblichen nicht uninteressant. Aber auch des Menschlichen allgemein.

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